IHK Adhoc-Analyse

Auslandsgeschäft in Zeiten von Corona


Um abzuschätzen, wie die Rahmenbedingungen für das Auslandsgeschäft in Zeiten von Corona kurz-, mittel- und langfristig gesetzt werden dürften, müssen wir uns zunächst mit den Rahmenbedingungen für politische Entscheidungsträger auseinandersetzen. Diese Rahmenbedingungen gleichen sich weltweit. Denn es handelt sich bei Covid-19 um eine bekanntermaßen hochansteckende Atemwegserkrankung. Ohne drastische Eindämmungsmaßnahmen verbreitet sich Covid-19 exponentiell und überfordert jedes nationale Gesundheitssystem, auch die am besten aufgestellten der Welt.

Normalisierung setzt Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente voraus

Dies ist solange der Fall, bis ein Dreiklang besteht aus zuverlässigen, massenhaft durchführbaren, bezahlbaren und schnellen Diagnosemöglichkeiten, wirksamen Impfstoffen sowie wirksamen Medikamenten. Entscheidend ist dabei, dass sie in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen – also grundsätzlich für die gesamte Weltbevölkerung. Denn Immunität gegen das Virus scheinen nur bereits ehemals infizierte Personen zu haben. Und auch dies ist noch nicht sicher. Zumindest alle anderen Personen sind grundsätzlich weiter gefährdet.
Das Gute: Wir leben in einer Zeit, in der wir technologisch so gut wie nie zuvor in der Lage sind, die notwendigen Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. Dennoch wird es trotz allem bewundernswerten Einsatz zahlreicher Forscherteams rund um den Globus und trotz aller Shortcuts, die man durch das Nutzen schon zugelassener Wirkstoffe und Verfahren nutzt, vermutlich noch viele Monate brauchen, bis Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente im notwendigen Maße produziert und weltweit zur Verfügung gestellt werden können.

Massive Beeinträchtigungen auf längere Zeit

Bis dahin ist eine strikte Eindämmungsstrategie alternativlos, das hat der bisherige Verlauf der Pandemie gezeigt. Entsprechend werden Maßnahmen fortbestehen, die das Auslandsgeschäft massiv behindern. Die Intensität der Maßnahmen wird dabei generell sehr hoch sein. Sie wird sich jedoch je nach Epidemie-Verlauf im jeweiligen Land und entsprechend der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems in Abstufungen unterscheiden.
Inzwischen lässt sich ein gewisser Verlauf der ergriffenen Maßnahmen erkennen. Er lässt Rückschlüsse zu, in welcher Reihenfolge bestimmte Maßnahmen, die Ihr Auslandsgeschäft tangieren, eingeführt oder auch wieder aufgehoben werden dürften. Nach erfolgreicher Eindämmung der Corona-Epidemie in einem Land dürften die ersten Lockerungsmaßnahmen grundsätzlich diejenigen sein, die als letzte Verschärfungen eingeführt wurden. Sie weisen im Normalfall das schlechteste Verhältnis zwischen Beitrag zum Eindämmen der Ansteckungsfälle und wirtschaftlichen beziehungsweise sozialen Kosten auf.  
Wenn also als eines der letzten noch verfügbaren Mittel ein allgemeiner Produktionsstopp für nahezu alle Branchen verhängt wird, wie dies am 22. März in Italien geschah, dürfte dies mit eine der ersten Maßnahmen sein, die wieder aufgehoben wird.
Genau am anderen Ende der Skala dürfte die allgemeine Reisefreiheit stehen, die auch Geschäftsreisen betrifft. 14-tägige obligatorische Quarantäne-Vorschriften für Einreisende aus Risikogebieten dürften auch in Ländern Standard bleiben, welche die Covid-19-Ausbreitung zwischenzeitlich in den Griff bekommen haben. Denn auch bei ihnen gilt die jederzeitige Gefahr eines Wiederausbruchs, solange der Dreiklang an Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten nicht gewährleistet ist.
Mit massiven Reisebeschränkungen muss auch innerhalb eines Landes gerechnet werden, insbesondere in besonders akuten Epidemie-Phasen, wie wir sie im Januar und vor allem im Februar in China erlebt haben.
Die Schärfe der Reisebeschränkungen wird auch vom Gesellschaftsmodell eines betreffenden Landes abhängen. Länder mit einem freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsmodell werden im Schnitt eher bereit sein, Reisebeschränkungen wieder aufzuheben, als autoritärer regierte Gesellschaften. Über Einreisebestimmungen für deutsche Staatsbürger in andere Länder informiert das Auswärtige Amt.

Vertriebs- und Serviceaktivitäten online erbringen

Die während der Corona-Pandemie bestehenden Reisebeschränkungen haben massive Auswirkungen auf alle Vertriebsaktivitäten, Wartungsarbeiten, Vor-Ort-Schulungen von Kunden, Mitarbeitern und Vertriebspartnern. Es spricht viel dafür, dass kurzfristige Entsendungen zu all diesen Zwecken wegen des hohen quarantänebedingten Zeitaufwands vorerst nicht mehr möglich sein werden. Dies wird insbesondere für Entsendungen außerhalb der EU27 der Fall sein.
Im Ergebnis wird dadurch ein Verlagern von Vertriebs- wie Serviceaktivitäten soweit wie möglich übers Internet sowie das Online-Erbringen von Dienstleistungen gerade im Geschäft mit ausländischen Kunden umso wichtiger. Gerade Anbieter erklärungsbedürftiger, kundenindividueller Produkte stellt das vor besondere Herausforderungen. Es beginnt bei der Produktvorstellung und setzt sich über das Anpassen des Produkts auf die kundenindividuellen Bedarfe fort, die sich eigentlich viel besser von Angesicht zu Angesicht vornehmen lassen. Gleiches gilt für die eigentliche Verkaufsverhandlung und auch für das Schulen der Anwender im Kundenunternehmen und dem Erbringen von Inbetriebnahmen, Wartungs- und Reparaturarbeiten. Es ist also weit mehr als der – schon für sich sehr herausfordernde – Aufbau einer Online-Bestellmöglichkeit auf der eigenen Firmen-Homepage oder das Nutzen der für das jeweilige Zielland besonders wichtigen Plattformen.

Weltleitmessen und Tech-Conventions in weiter Ferne

Ebenfalls mit als letztes dürften kontaktintensive Großveranstaltungen wieder möglich sein, also Weltleitmessen, Großkongresse und Tech-Events. Es ist deshalb insbesondere fraglich, ob noch relativ zu Beginn der Pandemie erfolgte Terminverschiebungen in die Sommermonate ausreichen. Dennoch lohnt es sich für die eigene Planung, sich über etwaige Terminverschiebungen sowie Komplettabsagen von Messen auf dem Laufenden zu halten. Dafür können Sie die Datenbank des Aussteller- und Messeverbandes AUMA nutzen: www.auma.de/Terminaenderungen.

Warenverkehr in Corona-Zeiten

Direkte Beschränkungen des Warenverkehrs dürften weiterhin eine Ausnahme bleiben. Es dürfte sich im Kern um medizinische Produkte handeln, die zur Bekämpfung der Pandemie in einzelnen Ländern notwendig sind sowie gegebenenfalls Waren, die zur Grundversorgung der jeweiligen Bevölkerung und dem Aufrechterhalten der öffentlichen Ordnung eines Landes dienen. Und auch bei diesen Produkten dürfte es sich im Regelfall jeweils um vergleichsweise sehr temporäre Beschränkungen handeln, weil sich die Erkenntnis von Covid-19 als Pandemie und der weltweit notwendigen Bekämpfung in zunehmend mehr Ländern durchsetzt.
Auswirkungen anderer Beschränkungen auf den Warenverkehr können unterschiedlichste Formen annehmen. Die Einreisebeschränkungen an Grenzen innerhalb Europas haben zum Beispiel Mitte März zu Wartezeiten für Lkw an der deutsch-polnischen Grenze bis zu 18 Stunden geführt. Einen aktuellen Überblick über Wartezeiten an Grenzübergängen innerhalb Europas liefert: https://covid-19.sixfold.com.
Weitere wahrscheinliche Beeinträchtigungen im Warenverkehr mit anderen Ländern lassen sich aus den Erfahrungen im China-Geschäft ableiten. Im Landverkehr muss mit Engpässen von Lkw-Fahrern und Zugführern gerechnet werden. Auch für sie können im Zielland ihrer Fahrt Quarantäne-Bestimmungen gelten, die sie 14 Tage außer Gefecht setzen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Leercontainer dort fehlen, wo sie gebraucht werden. Dies wird sowohl Auswirkungen auf den Land- und verstärkt noch auf den Seetransport haben. Denn je länger die Einzelfahrt – wie bei Überseetransporten – desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass an einem Ort benötigte Leercontainer sich gerade andernorts befinden. Mit besonderen Engpässen ist dabei bei Sondercontainern wie Kühlcontainern zu rechnen.
Auch das Abfedern fehlender Transportkapazitäten über die Luft wird kaum möglich sein. Dazu ist der Luftweg zum einen selbst in diesen Sonderzeiten zunächst einmal weiterhin für viele Produkte schlicht zu teuer. Außerdem fehlt es an Luftfrachtkapazitäten. Ein Hauptteil der Kapazitäten besteht in Normalzeiten aus Beiladungen in Passagierflugzeugen. Diese werden weiterhin über längere Zeiten dauerhaft fehlen.

Lichtblicke zum Schluss: Weltweite Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft

Weltweit scheint ein Großteil der Regierungen und Gesellschaften mittlerweile den Ernst der Lage verstanden zu haben. Nicht nur bezogen auf die von Covid-19 ausgehenden Gefahren und zu seiner Eindämmung notwendigen Maßnahmen, sondern auch bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen.
Deshalb ist grundsätzlich damit zu rechnen, dass wirtschaftlich teure Einschränkungen – wenn epidemiologisch möglich – von Ländern zum Schutz ihrer Wirtschaft wieder aufgehoben werden.
Zum anderen werden viele Länder zum Auffangen der wirtschaftlichen Auswirkungen Sonderprogramme auflegen. Diese werden sich unter anderem an der Leistungsfähigkeit des jeweiligen Staates orientieren. Sie werden nicht immer zielführend sein können. Je föderativer ein Zielmarkt aufgestellt ist, desto größer wird im Schnitt das Gewirr staatlicher Unterstützung auf den verschiedenen Ebenen sein. Es wird nationale, regionale und vielleicht auch lokale Unterstützungsleistungen geben. Von denen werden im Zweifel ihre ausländischen Geschäftspartner direkter profitieren können.
Wegen der Vielfalt zu erwartender Maßnahmen werden Ihre Kunden nicht immer den vollständigen Überblick über alle ihnen zugänglichen Unterstützungsleistungen und damit auch potentielle Finanzierungsmöglichkeiten haben, die ihnen für den Kauf Ihrer Produkte zur Verfügung stehen. Bringen Sie deshalb Ihrem Kunden ruhig die Finanzierung seines Einkaufs bei Ihnen mit, indem Sie ihn schlau machen über ihm zugängliche Förderungen. Hierbei werden wir Ihnen als IHK-AHK-Organisation helfen. Prüfen Sie auch, ob Ihre jeweilige Landesgesellschaft vor Ort als einheimisches Unternehmen förderfähig ist.
Dieser Artikel wurde am 25. März von Matthias Kruse, IHK Rhein-Neckar, erstellt und entspricht dem Wissenstand bei seiner Erstellung. Die Einschätzungen erheben nicht den Anspruch einer vollständigen Lagebeschreibung.

Kommunikation mit Geschäftspartnern – Das A und O

Das Corona-Virus verlangt Ihnen und Ihren Kunden, Lieferanten und Vertriebspartnern sehr viel ab. Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Geschäftspartnern durch diese Krise. Das ist menschlich richtig. Bleiben Sie im ständigen Kontakt mit Ihren Geschäftspartnern. Wer viel kommuniziert, erfährt viel. Wer in Krisenzeiten gut miteinander kommuniziert und zusammenarbeitet, schafft viel Vertrauen für Nach-Krisenzeiten.