IHK-Umweltnachrichten

REACH: Änderungen im Anhang XVII zu Verboten und Beschränkungen

Mit der Änderungs- Verordnung 2026/859 wird eine neue Ziffer 83 zu 2,4-Dinitrotoluol in Erzeugnissen eingeführt. Dieser Stoff ist seit längerem bereits in Anhang XIV (Zulassungspflicht) der REACH-Verordnung gelistet, wobei kein Unternehmen in der EU seither eine Zulassung beantragt hat. Deshalb ist davon auszugehen, dass er in der EU nicht mehr hergestellt wird. Er kann jedoch in importierten Erzeugnissen enthalten sein, da diese nicht unter Anhang XIV fallen. Diese Regelungslücke will die EU nun durch die zusätzliche Aufnahme in Anhang XVII schließen, wobei eine einjährige Übergangsfrist gewährt wird sowie Ausnahmeregelungen getroffen werden.
Der Text des gesamten REACH-Anhangs XVII ist hier auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu finden.
Vorausgegangene Änderungen des Anhangs XVII
Ziffer 82 betrifft PFAS in Feuerlöschschäumen, siehe auf dieser Homepage hier.
Beschränkung von DMAC und NEP
Die Liste der Beschränkungen in Anhang XVII der REACH-Verordnung war zuvor mit der EU-Verordnung 2025/1090 um zwei Einträge Nr. 80 und Nr. 81 erweitert worden. Sie schränken den Einsatz von N,N-Dimethylacetamid (DMAC) und 1-Ethylpyrrolidin-2-on (NEP) mittelfristig ein.
Der hier im EU-Amtsblatt veröffentlichte Verordnungstext trat formal am 23. Juni 2025 in Kraft und wird nach einer 18-monatigen Übergangszeit ab 23. Dezember 2026 wirksam. Ab dort dürfen beide Stoffe nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn die Hersteller bzw. Importeure bzw. nachgeschalteten Anwender bestimmte Arbeitsschutz-Vorkehrungen getroffen haben und neue Grenzwerte (DNEL, derived-no-effect-level) eingehalten werden.
DMAC und NEP werden nach Angaben der EU industriell und professionell als Lösungsmittel bei der Formulierung von Gemischen verwendet, z. B. in Agrochemikalien, Arzneimitteln und Feinchemikalien. DMAC wird auch als Lösungsmittel in Beschichtungen verwendet, und in großem Umfang bei der Herstellung von Chemiefasern und Folien sowie bei der Herstellung von Polyamidimid-Email (Lacken) für die Isolierung elektrischer Drähte. NEP wird in Reinigungsmitteln sowie als Binde- und Lösungsmittel angewendet. NEP wird auch bei Bohr- und Förderprozessen in Ölfeldern, in Funktionsflüssigkeiten, bei der Polymerverarbeitung, bei der Wasseraufbereitung, als Hilfsstoff in Agrochemikalien sowie in Straßen- und Bauanwendungen eingesetzt. Beide Stoffe werden als Laborreagenzien verwendet.
Nur für die Verwendung von DMAC für die Herstellung von Chemiefasern wird eine längere Übergangszeit bis 23. Juni 2029 gewährt.
Einschränkungen der Siloxane D4, D5 und D6
Am 17. Mai 2024 wurde eine Änderung der europäischen REACH-Verordnung veröffentlicht: „Verordnung (EU) 2024/1328 vom 16. Mai 2024 zur Änderung des Anhangs XVII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) betreffend Octamethylcyclotetrasiloxan (D4), Decamethylcyclopentasiloxan (D5) und Dodecamethylcyclohexasiloxan (D6)“.
Mit dieser Änderungsverordnung wird im REACH-Anhang XVII der Eintrag 70 geändert, welcher bisher nur D4 und D5 in abwaschbaren kosmetischen Mitteln reglementierte. Neu wird D6 einbezogen und Spalte 2 des Eintrags auf sieben Absätze ausgeweitet, von denen der erste Absatz die Kernforderung wie folgt formuliert:
„1. Darf nicht in Verkehr gebracht werden:
  1. als Stoff, b) als Bestandteil anderer Stoffe oder c) in Gemischen in einer Konzentration von 0,1 Gew.-% oder mehr des jeweiligen Stoffes nach dem 6. Juni 2026.“
Die weiteren Absätze enthalten eine Vielzahl an Sonderregelungen mit Ausnahmen oder längeren Übergangsfristen, z. B. für Textilreinigung, Medizinprodukte, Arzneimittel, bestimmte industrielle Verwendungen, Silikonpolymere und Grenzwerte für Rückstände aus Silikonpolymere.
Die Änderungsverordnung ist hier im EU-Amtsblatt abrufbar.