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Gewerbeflächen ressourceneffizient entwickeln

„Die Die Kunst besteht darin, eine Immobilie „future-proof“ zu machen, so dass sie sowohl langlebig als auch ressourceneffizient ist.
Tim Rosenbohm, Director Light Industrial Segro Deutschland

Nachhaltigkeit ist keine Wundertüte

Die Ressourcenfrage ist für Klaus Dosch eine Passion. Dabei kritisiert der Geschäftsführer der Resscore GmbH jedoch, dass der Begriff Nachhaltigkeit häufig als „Wundertüte“ interpretiert werde, in die unterschiedlichste Aspekte hineingepackt werden. So verliere er an Klarheit und Wirksamkeit. Nachhaltigkeit müsse stärker ökologisch gedacht werden, die Umwelt Grundlage aller wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten sein.
Der massive Einsatz von Rohstoffen und Energie sorge dafür, dass die Belastungsgrenzen der Erde in Bereichen wie Klimawandel, Biodiversität, Ressourcenverbrauch bereits überschritten seien. Um hier gegenzusteuern, spiele die Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle. Allerdings weist Dosch darauf hin, dass diese im Bauwesen oft überschätzt wird: Gebäude werden erst beim Abriss – also oft nach vielen Jahrzehnen – Teil eines Kreislaufs. Daher sei es sinnvoller, bereits beim Bau auf recycelte Materialien zu setzen, statt auf eine Wiederverwertung in ferner Zukunft zu hoffen.
Für Gewerbegebiete zeigt Dosch konkrete Handlungsmöglichkeiten auf: Dazu zählen erneuerbare Energieversorgung, Abwärmenutzung, nachhaltiger Straßenbau mit Recyclingmaterialien, reduzierte Verkehrsflächen sowie umweltfreundliche Mobilitätskonzepte wie ÖPNV und Radverkehr. Auch die Förderung ressourcenschonender Gebäude ist entscheidend. Hierfür hat sein Unternehmen ein Bewertungssystem entwickelt, das den Material- und Energieeinsatz eines Gebäudes transparent macht. Wichtig ist dabei: Nachhaltiges Bauen muss nicht teurer sein, wenn es frühzeitig geplant wird.

Flächenrecycling und Urban Mining

Das Turbinenwerk Mannheim ist ein Beispiel für realisierte Quartierskreisläufe in der Brownfield-Entwicklung, also der Revitalisierung bereits genutzter Flächen. Tobias Neldner vom Bauprojektentwickler Aurelis zeigt, wie dabei Flächenrecycling und Urban Mining erfolgreich umgesetzt werden. Das rund 20 Hektar große Areal des Turbinenwerks wurde 2019 nach über 120 Jahren industrieller Nutzung übernommen. Es befand sich in einem stark versiegelten Zustand mit Hitzeentwicklung, Überschwemmungsrisiken und Altlasten im Boden.
Gemeinsam mit der Stadt Mannheim wurden Leitplanken für die Entwicklung definiert. Ziel war es, das abgeschlossene Industriegebiet in ein offenes, grünes und zukunftsfähiges Quartier mit Aufenthaltsqualität zu transformieren. Ein zentrales Element der Entwicklung ist das Denken in Kreisläufen. Neldner unterscheidet Bereiche wie Energie-, Flächen-, Stoff- und Wasserkreisläufe. Im Energiebereich setzt das Quartier auf Fernwärme, erneuerbare Technologien und ein Verbot fossiler Brennstoffe. Bestehende Flächen werden entsiegelt und ökologisch aufgewertet.
Das Thema Stoffkreislauf verdeutlicht Neldner an einem Urban-Mining-Projekt. Beim teilweisen Rückbau einer Industriehalle wurden Ziegelsteine ausgebaut, gereinigt und wiederverwendet. Das sorgte für rund 95 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen: Statt 23 Tonnen bei neuen Ziegeln entstand nur etwa eine Tonne CO₂. Trotz leicht höherer Kosten zeige dieses Beispiel, dass nachhaltige Bauweisen wirtschaftlich vertretbar seien und große ökologische Wirkung entfalten können.

Flexibel und modular: die „Future-Proof-Immobilie“

Trends und Best Practices im ressourcenschonenden Gewerbebau aus der Perspektive eines langfristig orientierten Immobilienentwicklers beleuchtet Tim Rosenbohm, Director Light Industrial bei Segro Deutschland. Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass nachhaltige Wirkung nicht nur durch Materialwahl entsteht, sondern vor allem durch intelligente Planung von Gebäuden und Standorten. Gerade die Brownfield-Entwicklungen hätten große Potenziale für Ressourcenschonung und langfristige Gestaltung.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit Mietern und Kommunen. Durch kontinuierlichen Austausch werden Anforderungen frühzeitig erkannt, etwa in Bezug auf Automatisierung, Energieeffizienz, Nachhaltigkeitsregulierung oder Fachkräftemangel. Gerade letzterer führt dazu, dass Immobilien zunehmend unter sozialen Gesichtspunkten gedacht werden müssen: Aufenthaltsqualität, Flexibilität und Arbeitsumfeld gewinnen stark an Bedeutung.
Ein zentrales Konzept ist die „Future-Proof-Immobilie“. Da Gebäude für 30 bis 50 Jahre geplant werden, technische Entwicklungen jedoch deutlich schneller voranschreiten, müssen Immobilien flexibel und modular gestaltet sein. Dies ermöglicht Unternehmen, sich innerhalb eines Gewerbeparks räumlich zu verändern und sich neuen Anforderungen anzupassen. Infrastruktur wie Energieversorgung, Datenanbindung und Flächenstruktur wird daher bereits auf Quartiersebene zukunftsfähig ausgelegt. „Die kosteneffizienteste Maßnahme im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ist ein klug geplantes Gebäude“, sagt Rosenbohm.

Zukunftsfähige Industrieprozesse Formularbeginn

Wie die Verzahnung von Material-, Energie- und Informationsströmen zu einer ressourceneffizienten Fertigung führt, zeigt Annika Roth, Geschäftsführerin von Limburger – The Packaging Group. Aus einem traditionsreichen Verpackungsunternehmen wurde so ein hochmoderner, nachhaltiger Produktionsstandort. Weil das historisch gewachsene Werk aus dem Jahr 1897 nicht mehr zukunftsfähig war, hatte man sich 2014 für einen kompletten Neubau entschieden. „Wir haben sämtliche Prozesse hinterfragt. Dabei standen für uns immer die Ökologie und Soziales im Fokus“, sagt Roth.
Im Bereich Materialfluss ersetzten fahrerlose Transportsysteme die Gabelstapler, automatisierte Lager wurden eingeführt und Produktionsprozesse stärker miteinander verknüpft. Ein unterirdisches Entsorgungssystem führt Produktionsreste direkt ab, verdichtet diese und bringt sie in einen Recyclingkreislauf. Auch der Informationsfluss wurde neu organisiert. Statt getrennter Abteilungen existiert nun ein Ordermanagement, das Kundenkommunikation und Produktionsplanung vereint.
Bei der Energie verzichtet man auf konventionelle Heizsysteme und nutzt stattdessen Abwärme aus Produktionsanlagen zum Heizen und zum Kühlen. Ergänzt wird dies durch LED-Beleuchtung mit intelligenter Steuerung, eine Photovoltaikanlage sowie die Umstellung von Gas- auf Induktionstechnologie. Obwohl die Fläche im Vergleich zum alten Standort deutlich reduziert wurde, stieg die Effizienz massiv. Zudem wuchs das Unternehmen unerwartet stark und entwickelte sich über die Produktion hinaus zum Akteur für Recycling und Logistik.

Links Ressourceneffizienz

Resscore GmbH
https://www.resscore.de/
Projekt für Klima- und Ressourcenschutz für Gewerbegebiete (KREGI)
https://www.kregi.de/
Projekt Turbinenwerk Mannheim
https://turbinenwerk-mannheim.de/
Limburger – The Packaging Group
https://www.blechwaren-limburg.de/
Text: Stephan Köhnlein

Weitere Termine und Themen finden Sie auf der Übersichtsseite. (www.ihk-rlp.de/zukunft-gewerbegebiete-2026)