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Going International 2026 - Rheinland-Pfalz

Europa bleibt Stabilitätsanker, Indien gewinnt an Bedeutung

Die Ergebnisse der Umfrage Going International 2026 zeigen deutlich: Das internationale Geschäftsumfeld für Unternehmen aus Rheinland-Pfalz wird schwieriger. Zwar gibt es einzelne positive Signale, insgesamt aber nehmen Handelshemmnisse, Unsicherheiten und regulatorische Belastungen spürbar zu.
An der bundesweiten Befragung beteiligten sich 2.419 Unternehmen, darunter 195 Unternehmen aus Rheinland-Pfalz. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Weltmärkte — mit Europa als vergleichsweise stabilem Anker, Indien als Hoffnungsträger und den USA sowie China als zunehmend schwierigen Märkten.

Eurozone bleibt stabiler Anker für Exporteure

Besonders positiv fällt 2026 die Eurozone auf. Sie ist der einzige Wirtschaftsraum mit einer insgesamt klar positiven aktuellen Geschäftslage und erreicht einen Saldo von +21,1. Gleichzeitig liegt der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage dort als „gut“ bewerten, bei 37,3 Prozent — dem höchsten Wert im gesamten Vergleich. Die Erwartungen bleiben mit einem Saldo von -0,5 zwar zurückhaltend, insgesamt zeigt sich Europa aber deutlich robuster als viele andere Weltregionen. Für exportorientierte Unternehmen aus Rheinland-Pfalz bleibt der europäische Binnenmarkt damit der wichtigste Stabilitätsfaktor.

USA: Deutlich verschlechterte Geschäftsperspektiven

Ganz anders ist die Lage in den USA. Dort zeigt sich 2026 der stärkste negative Umschwung aller großen Märkte. Die aktuelle Geschäftslage fällt auf einen Saldo von -32,0, die Geschäftserwartungen liegen sogar bei -32,7. 50 Prozent der Unternehmen nennen die handelspolitische Unsicherheit als zentrales Problem. Hinzu kommen steigende Bürokratie- und Zollkosten (38,3 Prozent), der 15-prozentige US-Basiszollsatz (37,23 Prozent) sowie Finanz- und Währungsrisiken (33,51 Prozent). Die USA bleiben damit ein bedeutender Markt, werden aber für viele Unternehmen deutlich schwieriger kalkulierbar.

China bleibt anspruchsvoll – Indien Hoffnungsträger

Auch China bleibt problematisch. Die Geschäftsperspektiven liegen bei einem Saldo von -21,0, die aktuelle Lage ist ebenfalls klar negativ. Belastend wirken vor allem Local-Content-Vorgaben, Technologietransferanforderungen, Exportkontrollen und umfassende Zertifizierungspflichten. China ist damit weiterhin wirtschaftlich relevant, aus Unternehmenssicht aber einer der regulatorisch anspruchsvollsten und risikoreichsten Märkte.
Ein klarer Lichtblick ist dagegen Indien. Das Land ist 2026 die einzige Region mit einem deutlich positiven Erwartungssaldo von +12,9. 30,6 Prozent der Unternehmen rechnen dort mit einer besseren Geschäftsentwicklung, nur 17,6 Prozent mit einer schlechteren. Indien ist damit der optimistischste Markt der gesamten Erhebung. Für viele Unternehmen gewinnt das Land als Wachstumsmarkt und als strategische Alternative zu China sichtbar an Bedeutung.

Mercosur: Chancen mit Blick auf das mögliche Abkommen

Auch der Mercosur-Raum rückt stärker in den Blick, bleibt derzeit aber vor allem eine Perspektive für die Zukunft. Zwar verbessert sich die Geschäftserwartung auf einen Saldo von -2,8 und nähert sich damit einem ausgeglichenen Niveau an. Das zeigt: Solange die politische und rechtliche Unsicherheit anhält, bleibt Mercosur für viele Betriebe noch eine Chance auf dem Papier. Sobald das Abkommen angewendet wird, erwarten jedoch 37,04 Prozent bessere Marktzugänge und 27,51 Prozent mögliche Kostenvorteile durch Zollabbau.

Handelshemmnisse nehmen weltweit deutlich zu

Ein besonders wichtiges Ergebnis der Umfrage betrifft die Handelshemmnisse insgesamt. 70,8 Prozent der Unternehmen berichten 2026 von einer Zunahme von Barrieren im Auslandsgeschäft. Damit liegt der Wert deutlich über den Vorjahren. Am häufigsten werden höhere Zölle genannt — mit 68,4 Prozent so oft wie kein anderes Hemmnis. Es folgen lokale Zertifizierungsanforderungen (53,4 Prozent), verstärkte regulatorische Anforderungen (36,8 Prozent) und Exportkontrollregime (30,8 Prozent). Die Zahlen zeigen, dass internationale Geschäfte nicht nur politisch unsicherer, sondern auch operativ aufwendiger werden.
Auch innerhalb Europas wächst der Druck durch Regulierung. Ein möglicher „Buy European“-Ansatz wird zwar teils als Chance gesehen, vor allem aber als zusätzliche bürokratische Belastung. 36,96 Prozent der Unternehmen erwarten dadurch mehr Aufwand bei Herkunftsnachweisen, 30 Prozent rechnen mit höheren Produktionskosten. Zugleich sehen 29,35 Prozent eine mögliche Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition im EU-Binnenmarkt.

Exportwirtschaft braucht offene Märkte und klare Regeln

Für Rheinland-Pfalz als exportorientierten Wirtschaftsstandort bleiben Freihandel, belastbare Handelsabkommen und offene Märkte zentrale Voraussetzungen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Ebenso wichtig sind ein planbarer, berechenbarer Ordnungsrahmen und ein EU-Binnenmarkt, der Unternehmen nicht durch zusätzliche Bürokratie, sondern durch geringe Regulierung und Harmonisierung stärkt. Gerade in einem unsichereren globalen Umfeld braucht die Wirtschaft verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Marktzugang sichern und unternehmerische Planung erleichtern.

Ergebnisse der Umfrage

Going International 2026: Handelshemmnisse auf Rekordniveau

Die Geschäftserwartungen im Auslandsgeschäft hellen sich leicht auf, bleiben aber insgesamt negativ.
69 Prozent der 2.400 international aktiven Unternehmen, die sich an der Umfrage im Februar 2026 beteiligt haben, berichten von steigenden Handelshemmnissen – ein Allzeithoch. Besonders die US-Zollpolitik, neue Exportkontrollen sowie komplexe Regulierung aus Deutschland und der EU setzen die exportorientierte deutsche Wirtschaft unter Druck. Lichtblicke gibt es in Indien und Teilen Lateinamerikas.

Hürden im Welthandel wachsen

Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass sich der Welthandel weiter vom Prinzip des freien, regelbasierten Handels entfernt. Zölle, Exportkontrollen, Sanktionen, Local-Content-Vorgaben und hausgemachte Regulierung aus Europa belasten Lieferketten, Investitionen und Marktzugänge. Der Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme von Handelshemmnissen wahrnehmen, ist mit 69 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das entspricht einem Anstieg um 11 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Besonders stark im Fokus stehen derzeit die Folgen der US-Handelspolitik. 66 Prozent der Unternehmen, die von steigenden Handelshemmnissen betroffen sind, nennen höhere Zölle als Belastung. Von diesen wiederum sehen 86 Prozent die USA als zentrale Problemregion. Zollerhöhungen, sektorale Sonderzölle und die handelspolitische Unsicherheit führen dazu, dass die Vereinigten Staaten für die deutsche Wirtschaft zunehmend vom Leitmarkt zum Risikofaktor werden, das zeigt auch eine Sonderauswertung der Umfrage zu den USA.
Neben Zöllen spielen nicht-tarifäre Handelshemmnisse eine zentrale Rolle. 51 Prozent der hiervon betroffenen Unternehmen berichten von zusätzlichen lokalen Zertifizierungsanforderungen, 37 Prozent von verstärkten Sicherheitsauflagen. 35 Prozent sehen sich durch verschärfte Exportkontrollregime eingeschränkt, 30 Prozent nennen Sanktionen als eigenständiges Handelshemmnis.
Parallel dazu rücken strategische industriepolitische Instrumente in den Vordergrund. 19 Prozent der Unternehmen, die hier Hürden sehen, berichten von einer Zunahme von Local-Content-Vorschriften, also der Pflicht, einen bestimmten Anteil der Wertschöpfung vor Ort zu erbringen. Besonders häufig wird dies aus den USA, China, der Asien-Pazifik-Region und Indien gemeldet.

Hausgemachte Hemmnisse

Ohnehin entstehen Belastungen im Auslandsgeschäft nicht nur durch Maßnahmen anderer Staaten: 83 Prozent der international aktiven Unternehmen sehen hausgemachte Hürden aus Deutschland und der EU als Herausforderung. Dabei geht es um Regelungen, administrative Vorgaben und nationale Besonderheiten, die das internationale Geschäft erschweren, obwohl der europäische Binnenmarkt eigentlich auf dem Abbau tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse beruht.
49 Prozent der betroffenen Betriebe sehen sich durch Gesetze zu Sorgfalts- und Berichtspflichten in Lieferketten belastet – genannt werden insbesondere die Corporate Sustainability Reporting Directive, die Corporate Sustainability Due Diligence Directive und das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Anforderungen betreffen dabei nicht nur große, unmittelbar berichtspflichtige Unternehmen. Viele kleine und mittlere Unternehmen sehen sich als Zulieferer in der Pflicht, umfangreiche Informationen zu Nachhaltigkeit, Lieferantenstrukturen und Risiken entlang der Wertschöpfungskette bereitzustellen.
42 Prozent der Befragten, die hausgemachte Hürden wahrnehmen, verweisen auf Probleme bei der Abwicklung ihres Auslandsgeschäfts durch Ausfuhrbehörden, Zollstellen und Exportkontrollverfahren. Genannt werden komplexe und teils uneinheitlich ausgelegte Vorschriften, ein hoher Dokumentationsaufwand, verlängerte Durchlaufzeiten sowie länderspezifische Sonderanforderungen, etwa im Chinageschäft.
Weitere 39 Prozent nennen Vorgaben zu Verpackungen und Verpackungsabfällen als Hemmnis, insbesondere im Zusammenhang mit der geplanten Packaging and Packaging Waste Regulation und der erweiterten Herstellerverantwortung. 32 Prozent berichten von Herausforderungen bei der Umsetzung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU. In der Praxis fehlen häufig verlässliche Daten zu Emissionsintensitäten, geeignete Zertifizierungsstrukturen und klare, handhabbare Berechnungsregeln. 28 Prozent der Unternehmen bereiten sich auf die EU-Entwaldungsverordnung vor, die ab Ende 2026 gilt, und stoßen dabei vor allem bei der Datenerhebung und der Anbindung an IT-Systeme an Grenzen.

Geschäftserwartungen verharren im Minus

Zwar haben sich die Erwartungen der international agierenden deutschen Unternehmen an ihre Auslandsgeschäfte im laufenden Jahr aufgehellt, angesichts des insgesamt schwierigen Umfelds bleiben sie unterm Strich aber negativ: 21 Prozent der Betriebe erwarten eine Verschlechterung, 16 Prozent eine Verbesserung. 63 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer Veränderung, sodass der Saldo aus "besser"- und "schlechter"- Bewertungen gegenüber dem Vorjahr von minus 8 auf minus 5 Punkte steigt.

Chancen in vielen Weltregionen

Dennoch zeigt die Umfrage viele – wenn auch regional höchst unterschiedliche Chancen auf. In der Eurozone bewerten die Unternehmen ihre Geschäftslage leicht positiv, auch wenn die Geschäftserwartungen weiterhin knapp negativ sind. Wechselkurseffekte, eine schwächelnde Nachfrage und die hohe Regulierungslast bremsen hier die Dynamik. In anderen europäischen Ländern außerhalb der Währungsunion sowie in der Schweiz und in Norwegen bleibt die Lage stabil positiv, die Erwartungen drehen leicht ins Plus.
Deutlich negativer ist das Bild in China: Sowohl Geschäftslage als auch -erwartungen liegen im Minus. Konjunkturelle Schwäche, Lokalisierungsvorgaben und zunehmende Handelsbarrieren dämpfen die Perspektiven. Gleichzeitig rückt Indien stärker in den Fokus. Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend neutral bewertet, die Erwartungen fallen jedoch deutlich positiv aus. Das verhandelte Handelsabkommen zwischen der EU und Indien gilt als möglicher Hebel für den Abbau von Zöllen und den Ausbau der Lieferketten. Viele Betriebe sehen hier erhebliches Potenzial in Branchen wie Automobil, Maschinenbau, Chemie und Pharma.
Auch für Süd- und Mittelamerika sowie den Mercosur-Raum melden Unternehmen zwar derzeit noch eine eher schwache Geschäftslage, aber verbesserte Perspektiven. Das kürzlich unterzeichnete EU-Mercosur-Abkommen wird als Chance gesehen, Handelshemmnisse abzubauen, Lieferketten breiter aufzustellen und neue Absatz- und Beschaffungsmöglichkeiten zu erschließen.

Umfrageergebnisse herunterladen

Die kompletten Umfrageergebnisse stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung:
Going International 2026: Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft
AHK World Business Outlook Herbst 2025

Zuversicht deutscher Unternehmen im Ausland wächst

Nach dem Rückschlag durch die US-Zollpolitik im Frühjahr hellt sich die Stimmung in vielen Weltregionen spürbar auf. Das belegt der aktuelle AHK World Business Outlook der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), basierend auf mehr als 3.500 Antworten aus rund 90 Ländern weltweit.
Während die Konjunkturerwartungen der Unternehmen in Deutschland verhalten bleiben, steigt die Zuversicht der deutschen Betriebe an ihren Auslandsstandorten deutlich.
“Die internationalen Märkte sind für viele Unternehmen ein Stabilitätsanker”, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. “Sie zeigen dort, dass sie im Wettbewerb bestehen können - auch wenn der Standort Deutschland ihnen derzeit nur wenig Rückenwind gibt.”
Der Erhebung zufolge erwarten weltweit 44 Prozent der Unternehmen bessere Geschäfte - im Inland sind es hingegen nur 15 Prozent. Der Aufschwung bleibt fragil, doch die Orientierung ist klar: Wachstum findet jenseits der deutschen Grenzen statt.

Anders als hier wird im Ausland investiert und eingestellt

Das spiegelt sich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen wider. Im Ausland wollen 29 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen erhöhen, während lediglich 16 Prozent Kürzungen planen. Beim Personal beabsichtigen 33 Prozent aufzustocken, während 17 Prozent mit einem Abbau rechnen. Im Inland übertreffen die Unternehmen mit Rückbau diejenigen mit Zuwachs indes bei Weitem.
Viele Unternehmen reagieren auf veränderte politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen und verlagern ihre Investitionsentscheidungen folglich dorthin, wo Nachfrage wächst und künftig auch dort, wo Marktzugang an lokale Wertschöpfung geknüpft wird. Besonders deutlich wird dies in China: Hier bewerten nur 18 Prozent der deutschen Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, dennoch wollen mehr als ein Viertel (26 Prozent) ihre Investitionen ausweiten – deutlich mehr als noch im Frühjahr. Dies geschieht zum einen, weil der Marktzugang an lokale Produktion gebunden wird, aber auch, um die beträchtliche Innovationskraft und Rohstoffzugänge Chinas für die Positionierung des Unternehmens im globalen Wettbewerb zu nutzen.

Internationale Arbeitsteilung kein Selbstläufer mehr

Gleichzeitig nimmt die Zahl der Risiken im internationalen Geschäft weiter zu. Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) nennt wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als größtes Geschäftsrisiko, 47 Prozent beklagen eine schwache Nachfrage. Hinzu kommen steigende Wechselkursrisiken (31 Prozent) und neue Handelsbarrieren (25 Prozent).
"Internationale Arbeitsteilung ist kein Selbstläufer mehr", stellt Volker Treier fest. "Marktzugang muss zunehmend politisch erkämpft werden – wer zu hohe Kosten trägt oder regulatorisch ausgebremst wird, verliert Marktanteile. Die Weltwirtschaft versucht, ein neues Gleichgewicht zu finden – aber dieses 'new normal' spielt erst einmal gegen uns: Globale Märkte werden machtpolitisch gestaltet, nicht per se geöffnet. Jedenfalls: Wer seine Wettbewerbsfähigkeit nicht sichert, wird verdrängt."

Mit Blick auf die USA herrscht Vorsicht

Auch die US-Handelspolitik bleibt weltweit spürbar. Die anfängliche Verunsicherung der Wirtschaft über die erratischen und belastenden Maßnahmen aus Washington ist inzwischen einer Phase der Ernüchterung und strategischen Anpassung gewichen. 44 Prozent der deutschen Unternehmen an ihren ausländischen Standorten berichten von negativen oder stark negativen Effekten – von Zöllen über Exportkontrollen bis hin zu Local-Content-Vorgaben.
Zwar hat sich die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen weltweit nach dem Zollschock im Frühjahr wieder erholt, doch ein Investitionsboom bleibt aus. Das betrifft vor allem die Investitionsplanungen deutscher Unternehmen in den USA selbst. Dort liegen die Pläne weiter unter dem internationalen Durchschnitt und erheblich niedriger als vor einem Jahr: Während aktuell nur 24 Prozent zusätzliche Investitionen in den USA planen, waren es im Herbst 2024 noch 37 Prozent der Unternehmen.
Die schwache wirtschaftliche Dynamik in Deutschland wirkt sich direkt negativ auf die Exporterwartungen aus. Nach drei Jahren Rückgang rechnet die DIHK auch für 2025 mit einem Minus von 1 Prozent. Erst 2026 wird wieder ein leichtes Plus von 0,5 Prozent erwartet. Deutschland profitiert damit nur eingeschränkt vom weltweiten Wachstum.

Anschlussfähigkeit statt Abschottung

Treier fordert entschlossenes politisches Handeln: "Die Spielregeln im Welthandel werden neu geschrieben – und wer sich keinen Marktzugang durch belastbare Handelsabkommen sichert oder strukturell zu teuer bleibt, verliert. Es geht nicht um Abschottung, sondern um Anschlussfähigkeit. Deutschland und Europa müssen gezielt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken: durch verlässliche Energiepreise, schnellere Verfahren, steuerliche Entlastungen und neue Handelsabkommen. Nur dann können unsere Unternehmen wieder am weltweiten Wachstum teilhaben – und es mitgestalten, statt hinterherzulaufen."
Sie finden die kompletten Umfrageergebnisse hier zum Download:
AHK World Business Outlook Herbst 2025
Meilenstein der Digitalisierung

Volldigitales Ursprungszeugnis für den Außenhandel

Die Digitalisierung hat einen weiteren zentralen Geschäftsprozess im Außenhandel erreicht: Mit dem volldigitalen Ursprungszeugnis (dUZ) steht deutschen Unternehmen erstmals eine vollständig digitale öffentliche Urkunde, das Ursprungszeugnis, zur Verfügung.
Entwickelt wurde das dUZ von der IHK Gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH zusammen mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) Koblenz und München in enger Absprache mit Pilotunternehmen aus der Wirtschaft. Nach erfolgreicher Testphase ging das System am 15. September 2025 bundesweit in den Realbetrieb – ein bedeutender Fortschritt für die Effizienz und Modernisierung des internationalen Warenverkehrs.

Von der Idee zur Infrastruktur

Was mit Pilotprojekten begann, hat sich nun zu einer flächendeckenden Lösung entwickelt. Über das zentrale Portal eUZweb können Unternehmen Ursprungszeugnisse digital beantragen, genehmigen lassen und herunterladen – komplett ohne physische Dokumente. Der bisher noch notwendige Medienbruch, die Urkunde nach der digitalen Bearbeitung durch die IHK auf vorgeschriebenen Formularen auszudrucken entfällt.
Ursprungszeugnisse – klein, aber entscheidend
Ursprungszeugnisse bescheinigen den handelspolitischen Ursprung einer Ware. In vielen Ländern sind sie eine zollrechtliche Voraussetzung für die Einfuhr oder den Erhalt von Handelsvorteilen. Auch Banken verlangen sie bei Akkreditiven oder Finanzierungsverfahren. Jährlich werden in Deutschland rund eine Million dieser Urkunden ausgestellt.

Rechtssicher und international anschlussfähig

Besonders bemerkenswert: In Deutschland gelten Ursprungszeugnisse als öffentliche Urkunden. Ihre Digitalisierung unterlag daher strengen rechtlichen Anforderungen. Mit dem dUZ wird nun erstmals eine solche Urkunde vollständig digital ausgestellt – rechtsverbindlich und international verifizierbar.Jedes digitale Ursprungszeugnis ist mit einer eindeutigen Seriennummer und einem Verifizierungscode ausgestattet. Behörden, Banken oder Handelspartner im In- und Ausland können die Echtheit online überprüfen. Zudem erfüllt das Format die Vorgaben der überarbeiteten Kyoto-Konvention der Weltzollorganisation (WCO), einem globalen Standard für Zollverfahren und Handelsdokumente.

Fazit: Große Wirkung bei kleinem Dokument

Was zunächst nach einer technischen Umstellung klingt, ist in der Praxis ein echter Innovationssprung. Die Geschichte des Ursprungszeugnisses – von der Papierform mit Stempel hin zur digitalen Signatur – zeigt eindrucksvoll, wie selbst kleine, aber zentrale Dokumente zur Effizienzsteigerung und Modernisierung des internationalen Handels beitragen können.
„Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist das dUZ damit nicht nur ein weiteres digitales Angebot – sondern ein echter Meilenstein. Für uns ist es der logische nächste Schritt in einer immer mehr digitalisierten und globalisierten Welt“, so Andrea Wedig, Sprecherin der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz International.

Die rechtliche Dimension des dUZ - Drei Fragen an den Juristen Dr. David Saive, LL.M.

Dr. David Saive, LL.M. ist Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Tug & Tow® | Legal in Hamburg. Er berät Internationale Organisationen, Staaten und Unternehmen bei der Digitalisierung des Außenhandels. Paperless Trade ist sein Beratungsschwerpunkt.

1. Welche gesetzlichen Grundlagen ermöglichen die Digitalisierung von Ursprungszeugnissen in Deutschland?
Antwort: Das Ursprungszeugnis gilt in Deutschland als öffentliche Urkunde i.S.d. § 415 der Zivilprozessordnung (ZPO). Öffentliche Urkunden können gem. § 371a Abs. 3 ZPO auch in elektronischer Form ausgestellt werden. Beide Vorschriften gelten auch für das Verwaltungsrecht und sind damit auch auf Ursprungszeugnisse anwendbar. Die Vorschriften werden flankiert durch die speziellen Regelungen für elektronische Verwaltungsakte in § 3a Abs. 3 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG).
2. Wie wird die Gleichwertigkeit zwischen digitalen und papierbasierten Ursprungszeugnissen rechtlich sichergestellt?
Antwort: Alle o.g. Vorschriften setzen voraus, dass das elektronische Ursprungszeugnis mit einer qualifizierten elektronischen Signatur (qeS) versehen werden. Durch die qeS wird der gesamte Inhalt des Ursprungszeugnisses kryptografisch verschlüsselt und fest mit dem Inhaber der qeS versehen.
3. Wie wird mit der internationalen Anerkennung digitaler Ursprungszeugnisse umgegangen? Gibt es bereits bilaterale Abkommen oder Rückmeldungen aus dem Ausland?
Antwort: Die internationale Gemeinschaft wartet schon lange auf volldigitale Ursprungszeugnisse aus Deutschland. Insbesondere der Bankensektor hat schon lange vorgesorgt und die Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche zum Akkreditivgeschäft (UCP 600) und für Inkassi (URC 522) sind schon vor einigen Jahren um Zusatzvereinbarungen ergänzt worden, die den Einsatz elektronischer Dokumente ermöglichen. Mit der Volldigitalisierung des Ursprungszeugnisses haben die Kammern einen großen Schritt in Richtung Paperless Trade gemacht!

Die technische Dimension - Drei Fragen an Sebastian Esland, IHK Gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH, Product Owner Außenwirtschaft

1. Was waren die zentralen technischen Herausforderungen bei der Entwicklung der Anwendung?
Antwort: Wir mussten den gesamten Signaturprozess der UZ-Anträge umstellen, der bisher Verwendung in den Kammern fand. Für den Sachbearbeiter sollte sich aber nichts ändern, der Übergang zum volldigitalen Ursprungszeugnis sollte nicht wahrnehmbar sein. Dafür musste der gesamte Prozess neu gedacht werden. Von der Verschlüsselung der übertragenen Daten, an welcher Stelle im Prozess signiert wird, wie das PDF aufgebaut wird und viele weitere Punkte. Des Weiteren standen wir vor einer großen Herausforderung, dass der alte wie auch neue Signaturprozess während der Pilotphase funktioniert, ohne dass das eine, das andere negativ beeinflusst.
2. Wie wurde die Sicherheit bei der Datenübertragung und Archivierung gewährleistet?
Antwort: Im dUZ wird die Kommunikation zwischen Browser und Server durch moderne Sicherheitsstandards geschützt. Damit wird sichergestellt, dass Daten vertraulich übertragen und Manipulationen zuverlässig verhindert werden. Es kommen ausschließlich aktuelle, von allen gängigen Browsern unterstützte Verfahren zum Einsatz – veraltete und unsichere Technologien werden grundsätzlich nicht verwendet. Um die Authentizität der Ursprungszeugnisse sicherzustellen, werden diese während der Bewilligung mit der Signaturkarte des zuständigen IHK-Sachbearbeiters digital signiert. Etwaige nachträgliche Änderungen am PDF lassen sich dadurch eindeutig erkennen: Wird ein manipuliertes Dokument geöffnet, zeigt der Acrobat Reader eine entsprechende Warnung an, dass es nicht mehr dem bewilligten Original entspricht. Anhand einer sich auf dem dUZ befindlichen Verifikationsnummer ist über eine gesonderte Website jederzeit eine Überprüfung auf Echtheit möglich.
3. Welche Rückmeldungen aus der Pilotphase waren besonders hilfreich für die Weiterentwicklung?
Antwort: Zunächst einmal war jede Rückmeldung hilfreich. Denn man kann nur ein erfolgreiches Produkt entwickeln, wenn man die Anwender schon recht früh mit in den Entwicklungsprozess einbezieht. Denn so bekommen schlussendlich alle Kammern eine ausgereifte Anwendung. Hervorzuheben wäre an dieser Stelle der Hinweis der pilotierenden Anwender gewesen, dass man das UZ und die Anhänge von den Bescheinigungen trennen sollte und zwei separate PDFs downloaden kann. Dadurch haben wir auch immer wieder unsere Prozesse zur Bereitstellung der Dokumente anpassen können und haben nun ein technisch sauberes Produkt.
ifo-Exportstudie

Exportland in Gefahr – Industriestandort Rheinland-Pfalz jetzt zukunftssicher aufstellen

Rheinland-Pfalz zählt zu den exportstärksten Bundesländern Deutschlands, und genau darin liegt zugleich seine größte Verwundbarkeit.
Chemie und Pharma, Automobilzulieferer sowie der Maschinenbau sind die industriellen Leitbranchen des Landes. Sie sichern Wohlstand und Arbeitsplätze, sind aber in besonderem Maße auf offene Märkte und stabile internationale Rahmenbedingungen angewiesen. Handelskonflikte, steigende Energiepreise, unterbrochene Lieferketten und der zunehmende globale Wettbewerbsdruck haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie verletzlich das Modell einer exportorientierten Wirtschaft ist.
Die aktuelle ifo-Studie belegt eindrücklich: Trotz aller Krisen erwirtschaftete Rheinland-Pfalz 2024 einen Güterexportüberschuss von 12,8 Milliarden Euro – bundesweit Rang drei hinter Baden-Württemberg und Sachsen. Dieser Erfolg ist jedoch kein Selbstläufer. Der Standort steht vor großen Herausforderungen: von der Transformation der Automobilindustrie über die Abhängigkeit energieintensiver Branchen bis hin zu strukturellen Schwächen bei Infrastruktur, Flächenangebot und Fachkräfteverfügbarkeit.
Soll Rheinland-Pfalz Exportland bleiben, braucht es entschlossenes Handeln – auch auf Landesebene. Eine zukunftssichere Industrie verlangt neben stabilen internationalen Handelsbeziehungen vor allem verlässliche Standortbedingungen: wettbewerbsfähige Energiepreise, schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, leistungsfähige digitale Netze sowie eine Reform der Außenwirtschaftsförderung. Letztere muss kleinen und mittleren Unternehmen ebenso zugutekommen wie den global tätigen Konzernen, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze langfristig gesichert werden können.
Die ifo-Studie liefert dazu eine fundierte Analyse und zeigt Handlungsfelder auf, die über kurzfristige Krisenbewältigung hinausweisen. Rheinland-Pfalz steht vor der Aufgabe, seinen industriellen Kern zu stärken und zugleich die Weichen für die Zukunft zu stellen, damit das Land Exportland bleibt.
Die komplette Studie können Sie über die Homepage des ifo Instituts herunterladen:
Außenhandelsstudie Rheinland-Pfalz: Entwicklung des Außenhandels 2019-2024
Auf Basis der Ergebnisse dieser Studie haben die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz ein wirtschaftspolitisches Forderungspapier erarbeitet:
Auswertung Blitzumfrage USA

Rheinland-pfälzische Wirtschaft unter Druck – Unternehmen wünschen sich klarere EU-Handelspolitik

Die aktuelle US-Handelspolitik setzt vielen Unternehmen in Rheinland-Pfalz spürbar zu – und die Reaktionen auf die jüngste Verständigung zwischen der EU und den USA fallen skeptisch aus. Das zeigt eine Blitzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der sich 186 Betriebe aus Rheinland-Pfalz beteiligt haben.

Zurückhaltende EU-Strategie überzeugt viele nicht

Zentrales Thema der Umfrage war die Bewertung der politischen Absichtserklärung vom 27. Juli 2025, mit der die EU und die USA die angedrohten US-Zusatzzölle von bis zu 30% auf 15% begrenzt hatten. Die Antwort fällt eindeutig aus: Mehr als 60% der Unternehmen aus Rheinland-Pfalz fordern ein entschlosseneres Auftreten Europas gegenüber den USA auch wenn mögliche Gegenmaßnahmen kurzfristig das eigene Geschäft belasten könnten. Nur rund 19% unterstützen die bislang deeskalierende Verhandlungsstrategie der EU. Die Mehrheit wünscht sich klare, wirtschaftspolitisch stabile Rahmenbedingungen.

70 % der Unternehmen mit US-Geschäft spüren Belastungen

Die wirtschaftlichen Folgen der US-Zollpolitik sind für viele Unternehmen bereits Realität: Knapp 70% der Betriebe mit US-Geschäft berichten von negativen Auswirkungen. Zu den Hauptproblemen zählen Auftragsrückgänge, gestiegene Kosten und eine sinkende Nachfrage. Besonders belastend empfinden viele den neuen pauschalen Basiszollsatz von 10% bzw. 15%, der für eine Vielzahl von Produkten gilt.
Auch wechselkursbedingte Risiken sowie eine insgesamt unsichere handelspolitische Lage erschweren Planung und Kalkulation. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Investitionen zurückgestellt, Lieferketten neu bewertet oder Wachstumschancen in anderen Märkten gesucht werden.

EU, Asien und EFTA-Staaten rücken stärker in den Fokus

Gefragt nach ihrer strategischen Ausrichtung, geben 44,3 % der Unternehmen an, künftig verstärkt auf den EU-Binnenmarkt zu setzen. Auch Märkte in Asien (ohne China) gewinnen mit 28,9 % an Relevanz. Zudem rücken die Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) – also etwa die Schweiz und Norwegen – mit 23,9 % zunehmend in den Blick der Unternehmen. Die USA hingegen spielen mit lediglich 1,7 % kaum noch eine Rolle als Wachstumsperspektive.

Individuelle Strategien im Umgang mit neuen Zöllen

Beim Umgang mit den neuen US-Zusatzzöllen zeigt sich: Die Mehrheit der Unternehmen (58%) gibt die entstehenden Kosten ganz oder teilweise an ihre Kunden weiter. 16,1% tragen die Belastungen vollständig selbst, während ein Viertel eine Mischform wählt.

Struktur der Teilnehmenden: Mittelstand dominiert

Die befragten Unternehmen stammen überwiegend aus dem Mittelstand: Etwa 82% beschäftigen weniger als 200 Mitarbeitende. Branchenübergreifend vertreten waren insbesondere Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Metall- und Kunststoffverarbeitung, Elektrotechnik und dem Großhandel.

Fazit: Deutlicher Handlungsauftrag an die Politik

Die Ergebnisse machen deutlich: Rheinland-pfälzische Unternehmen brauchen Klarheit, Verlässlichkeit und konkrete Perspektiven. Die gegenwärtige US-Zollpolitik trifft viele unmittelbar – sei es über Exporte, Investitionen oder globale Lieferketten. Von der EU erwarten die Betriebe eine strategischere Außenwirtschaftspolitik, den Abbau bürokratischer Hürden und die zügige Umsetzung moderner Freihandelsabkommen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Kompetente Beratung

Unsere Kompetenzzentren / Länderschwerpunkte

Im Rahmen einer bundesweiten Arbeitsteilung mit zahlreichen IHKs haben wir uns auf ausgewählte Auslandsmärkte spezialisiert. Mit diesen Kompetenzzentren / Länderschwerpunkten bieten wir in Rheinland-Pfalz den Unternehmen überregional vertiefte Beratung und vielfältige Informationsveranstaltungen an. Wir zeigen Marktchancen auf, weisen auf Herausforderungen hin und stellen Kontakte zu Experten aus unserem internationalen Netzwerk her.