Going International 2026 - Rheinland-Pfalz

Europa bleibt Stabilitätsanker, Indien gewinnt an Bedeutung

Die Ergebnisse der Umfrage Going International 2026 zeigen deutlich: Das internationale Geschäftsumfeld für Unternehmen aus Rheinland-Pfalz wird schwieriger. Zwar gibt es einzelne positive Signale, insgesamt aber nehmen Handelshemmnisse, Unsicherheiten und regulatorische Belastungen spürbar zu.
An der bundesweiten Befragung beteiligten sich 2.419 Unternehmen, darunter 195 Unternehmen aus Rheinland-Pfalz. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Weltmärkte — mit Europa als vergleichsweise stabilem Anker, Indien als Hoffnungsträger und den USA sowie China als zunehmend schwierigen Märkten.

Eurozone bleibt stabiler Anker für Exporteure

Besonders positiv fällt 2026 die Eurozone auf. Sie ist der einzige Wirtschaftsraum mit einer insgesamt klar positiven aktuellen Geschäftslage und erreicht einen Saldo von +21,1. Gleichzeitig liegt der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage dort als „gut“ bewerten, bei 37,3 Prozent — dem höchsten Wert im gesamten Vergleich. Die Erwartungen bleiben mit einem Saldo von -0,5 zwar zurückhaltend, insgesamt zeigt sich Europa aber deutlich robuster als viele andere Weltregionen. Für exportorientierte Unternehmen aus Rheinland-Pfalz bleibt der europäische Binnenmarkt damit der wichtigste Stabilitätsfaktor.

USA: Deutlich verschlechterte Geschäftsperspektiven

Ganz anders ist die Lage in den USA. Dort zeigt sich 2026 der stärkste negative Umschwung aller großen Märkte. Die aktuelle Geschäftslage fällt auf einen Saldo von -32,0, die Geschäftserwartungen liegen sogar bei -32,7. 50 Prozent der Unternehmen nennen die handelspolitische Unsicherheit als zentrales Problem. Hinzu kommen steigende Bürokratie- und Zollkosten (38,3 Prozent), der 15-prozentige US-Basiszollsatz (37,23 Prozent) sowie Finanz- und Währungsrisiken (33,51 Prozent). Die USA bleiben damit ein bedeutender Markt, werden aber für viele Unternehmen deutlich schwieriger kalkulierbar.

China bleibt anspruchsvoll – Indien Hoffnungsträger

Auch China bleibt problematisch. Die Geschäftsperspektiven liegen bei einem Saldo von -21,0, die aktuelle Lage ist ebenfalls klar negativ. Belastend wirken vor allem Local-Content-Vorgaben, Technologietransferanforderungen, Exportkontrollen und umfassende Zertifizierungspflichten. China ist damit weiterhin wirtschaftlich relevant, aus Unternehmenssicht aber einer der regulatorisch anspruchsvollsten und risikoreichsten Märkte.
Ein klarer Lichtblick ist dagegen Indien. Das Land ist 2026 die einzige Region mit einem deutlich positiven Erwartungssaldo von +12,9. 30,6 Prozent der Unternehmen rechnen dort mit einer besseren Geschäftsentwicklung, nur 17,6 Prozent mit einer schlechteren. Indien ist damit der optimistischste Markt der gesamten Erhebung. Für viele Unternehmen gewinnt das Land als Wachstumsmarkt und als strategische Alternative zu China sichtbar an Bedeutung.

Mercosur: Chancen mit Blick auf das mögliche Abkommen

Auch der Mercosur-Raum rückt stärker in den Blick, bleibt derzeit aber vor allem eine Perspektive für die Zukunft. Zwar verbessert sich die Geschäftserwartung auf einen Saldo von -2,8 und nähert sich damit einem ausgeglichenen Niveau an. Das zeigt: Solange die politische und rechtliche Unsicherheit anhält, bleibt Mercosur für viele Betriebe noch eine Chance auf dem Papier. Sobald das Abkommen angewendet wird, erwarten jedoch 37,04 Prozent bessere Marktzugänge und 27,51 Prozent mögliche Kostenvorteile durch Zollabbau.

Handelshemmnisse nehmen weltweit deutlich zu

Ein besonders wichtiges Ergebnis der Umfrage betrifft die Handelshemmnisse insgesamt. 70,8 Prozent der Unternehmen berichten 2026 von einer Zunahme von Barrieren im Auslandsgeschäft. Damit liegt der Wert deutlich über den Vorjahren. Am häufigsten werden höhere Zölle genannt — mit 68,4 Prozent so oft wie kein anderes Hemmnis. Es folgen lokale Zertifizierungsanforderungen (53,4 Prozent), verstärkte regulatorische Anforderungen (36,8 Prozent) und Exportkontrollregime (30,8 Prozent). Die Zahlen zeigen, dass internationale Geschäfte nicht nur politisch unsicherer, sondern auch operativ aufwendiger werden.
Auch innerhalb Europas wächst der Druck durch Regulierung. Ein möglicher „Buy European“-Ansatz wird zwar teils als Chance gesehen, vor allem aber als zusätzliche bürokratische Belastung. 36,96 Prozent der Unternehmen erwarten dadurch mehr Aufwand bei Herkunftsnachweisen, 30 Prozent rechnen mit höheren Produktionskosten. Zugleich sehen 29,35 Prozent eine mögliche Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition im EU-Binnenmarkt.

Exportwirtschaft braucht offene Märkte und klare Regeln

Für Rheinland-Pfalz als exportorientierten Wirtschaftsstandort bleiben Freihandel, belastbare Handelsabkommen und offene Märkte zentrale Voraussetzungen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Ebenso wichtig sind ein planbarer, berechenbarer Ordnungsrahmen und ein EU-Binnenmarkt, der Unternehmen nicht durch zusätzliche Bürokratie, sondern durch geringe Regulierung und Harmonisierung stärkt. Gerade in einem unsichereren globalen Umfeld braucht die Wirtschaft verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Marktzugang sichern und unternehmerische Planung erleichtern.