Pressemitteilung vom 17.06.2026

IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz zu neuer EU-USA-Vereinbarung

Mehr Berechenbarkeit für belastete Handelsbeziehungen
Die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz bewertet die europäische Umsetzung der Handelsvereinbarung zwischen der EU und den USA als pragmatischen Schritt hin zu mehr Berechenbarkeit im transatlantischen Handel. Nach Zustimmung von Europäischem Parlament und Rat sollen ab dem 1. Juli unter anderem EU-Importzölle auf US-Industriegüter entfallen sowie einzelne Agrar- und Fischereierzeugnisse begünstigt werden.
„Für viele Unternehmen ist nicht nur die Höhe eines Zolls entscheidend, sondern auch die Frage, ob Rahmenbedingungen verlässlich bleiben“, erklärt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. „Wer Lieferketten plant, Preise kalkuliert oder Investitionen vorbereitet, braucht belastbare Annahmen. Die beschlossene Umsetzung der Vereinbarung kann helfen, zumindest einen Teil der verlorenen Planbarkeit zurückzugewinnen.“
Die handelspolitischen Entwicklungen seit dem Amtsantritt der aktuellen US-Administration haben die Bedingungen im Geschäft mit den USA für die rheinland-pfälzische Industrie bereits spürbar verschlechtert, stellen die Industrie- und Handelskammern fest. Hohe Zölle, zusätzliche Nachweispflichten und kurzfristige Kurswechsel erschweren insbesondere exportorientierten Unternehmen den Zugang zum US-Markt. Die in der europäischen Umsetzung vorgesehenen Schutzmechanismen sind daher ein wichtiges Instrument, um die Einhaltung der vereinbarten Zusagen abzusichern und bei erheblichen Marktverzerrungen nachsteuern zu können.
Gerade für Rheinland-Pfalz ist mehr Verlässlichkeit im transatlantischen Handel von großer Bedeutung, macht die IHK-Arbeitsgemeinschaft deutlich: Die USA zählen zu den wichtigsten Auslandsmärkten des Landes. Viele Unternehmen sind dort aktiv oder in transatlantische Lieferketten eingebunden; zugleich haben zahlreiche US-Unternehmen in Rheinland-Pfalz investiert. Zusätzliche Zölle und schwer planbare Zollentscheidungen der US-Regierung treffen die heimische Industrie daher besonders.
Dies zeigte sich auch beim 11. Deutsch-Amerikanischen Wirtschaftstag, der am 9. Juni 2026 in Mainz stattfand und von der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Deutsch-Amerikanischen Handelskammern in den USA ausgerichtet wurde. Die Veranstaltung mit gut 350 Gästen aus den USA und Deutschland zeigte, wie groß das Interesse der Unternehmen an belastbaren Informationen, direktem Austausch und verlässlichen Kontakten im transatlantischen Geschäft ist. Im Mittelpunkt standen unter anderem Handels- und Investitionspolitik, Zölle, Lieferketten, Standortentscheidungen sowie konkrete Fragen des Markteinstiegs und der Geschäftstätigkeit in den USA.
„Umso wichtiger bleibt eine aktive europäische Handelspolitik“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel fest. Neben stabileren Beziehungen zu den USA brauche es weitere verlässliche Partnerschaften. Dazu zählen das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen, die abgeschlossenen Verhandlungen mit Australien und Indien sowie laufende Verhandlungen mit Malaysia, den Philippinen, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Die rheinland-pfälzische Wirtschaft braucht offene Märkte im täglichen Geschäft – etwa für Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse oder industrielle Vorprodukte.“
Mit Blick auf das 250-jährige Jubiläum der Vereinigten Staaten am 4. Juli 2026 verweist die IHK-Arbeitsgemeinschaft zudem auf die besondere Verbundenheit zwischen Rheinland-Pfalz und den USA – durch enge wirtschaftliche Beziehungen ebenso wie durch das jahrzehntelange Zusammenleben mit in Rheinland-Pfalz stationiertem US-Militärpersonal.
„Gerade weil Rheinland-Pfalz eng mit den USA verbunden ist, sind verlässliche transatlantische Rahmenbedingungen entscheidend. Die Vereinbarung kann dazu beitragen, die zuletzt belasteten Handelsbeziehungen wieder berechenbarer zu machen“, sagt Rössel.