Pressemitteilung vom 12. Mai 2021

Stimmung in Rheinland-Pfalz hellt sich auf, Corona bleibt größter Risikofaktor

Die Coronakrise belastet die rheinland-pfälzische Wirtschaft weiterhin massiv. Zum Frühsommer 2021 verbessert sich zwar das Konjunkturklima branchenübergreifend, es bleibt jedoch weit von dem Vorkrisenniveau entfernt. Der IHK‑Konjunkturklimaindikator, in dem die derzeitige Lage und die Aussichten für die Zukunft verrechnet werden, legt um fünf Punkte auf 104 Punkte zu (Jahresbeginn 2021: 99 Punkte). Damit überschreitet dieser Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung erstmalig seit dem Corona-bedingten Einbruch im Frühsommer 2020 (77 Punkte) die Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs), die auf der Befragung von 1.257 Betrieben mit mehr als 180.000 Beschäftigten im Zeitraum 29. März bis 3. Mai 2021 basiert.
Die Unternehmen bewerten ihre Lage im Saldo mit 12 Prozentpunkten erkennbar besser als in der Vorumfrage zum Jahreswechsel 2020/21 (4 Prozentpunkte). Ebenso haben sich die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate im Saldo von minus 6 auf minus 2 Prozentpunkte leicht verbessert, liegen aber immer noch im negativen Bereich.
„Die Betriebe spüren eine leichte konjunkturelle Erholung, bleiben aber angesichts der weiterhin hohen Corona-Risiken vorsichtig. Um die Wachstumskräfte und die Resilienz der Wirtschaft zu stärken, sind ein Belastungsmoratorium und ein zügiger Bürokratieabbau nötig und sollten ganz oben auf der politischen Agenda stehen“, kommentiert Arne Rössel, Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. 
Die verbesserten Stimmungswerte schieben die Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft der rheinland-pfälzischen Unternehmen an. Per Saldo erhöht sich die Investitionsbereitschaft von minus 5 Prozentpunkten auf derzeit 3 Prozentpunkte. Als Investitionsmotive nennen 65 Prozent der Betriebe die Ersatzbeschaffung und jeweils 34 Prozent die Rationalisierung und die Produktinnovation. 20 Prozent der Betriebe planen, neue Mitarbeiter einzustellen. Dem gegenüber stehen 16 Prozent, die einen Personalabbau ins Auge fassen. Der Saldenwert der Beschäftigungsabsichten steigt damit um 8 Prozentpunkte auf derzeit 4 Prozentpunkte.

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen

Getragen wird die aktuelle konjunkturelle Lage von der Industrie, deren Konjunkturklimaindikator mit 116 Punkten seit dem Beginn der Pandemie nun zum dritten Mal in Folge zulegt (Jahreswechsel 20/21: 110; Herbst 2020: 105). Insbesondere die Investitionsgüterindustrie verzeichnet hier einen deutlichen Sprung auf 118 Punkte gegenüber dem Jahreswechsel (105 Punkte). Zudem legen die Vorleistungsgüterproduzenten sowohl bei der Lagebeurteilung als auch bei Investitions- und Beschäftigungsabsichten merklich zu.
„Da die Nachfrage nach Investitionsgütern in Abhängigkeit zu der geplanten Produktionstätigkeit der Unternehmen steht, können die guten Stimmungswerte in der Investitionsgüterindustrie auf mögliche Konjunkturimpulse hindeuten. Auch stimmen die in der gesamten Industrie leicht verbesserten Exporterwartungen und der kontinuierlich wachsende Auftragsbestand und steigende Kapazitätsauslastung vorsichtig optimistisch“, erläutert Rössel.
Das Baugewerbe bleibt mit 112 Punkten weiterhin im expansiven Bereich oberhalb der 100-Punkte-Marke, auch wenn die Geschäftserwartungen (im Saldo minus 12 Prozentpunkte) für die kommenden 12 Monate etwas schlechter bewertet werden als zum Jahreswechsel (im Saldo minus 8 Prozentpunkte).   
„Anders als die starke Industrie und das stabile Baugewerbe wirken sich der stationäre Non-Food-Handel und die personenbezogenen Dienstleistungen aufgrund der langen behördlichen Schließungen negativ auf die Konjunktur aus. Die nun in Aussicht gestellten Lockerungen geben Hoffnung, dass sich die Stimmung weiter aufhellt“, betont Rössel.
Im Einzelhandel erhöht sich das Geschäftsklima um 10 Punkte auf 87 Punkte, im Großhandel um 7 Punkt auf 95 Punkte. Dennoch bleiben die Stimmungs- und Wachstumsindikatoren im Einzel- wie Großhandel allesamt mit deutlich negativen Vorzeichen versehen. Innerhalb des Dienstleistungsgewerbes vermelden die personenbezogenen Dienstleister mit 73 Punkten die schlechtesten Stimmungswerte. Demgegenüber stehen IT-Dienstleistungen und die Informationswirtschaft mit Höchstwerten von 133 Punkten respektive 130 Punkten.

Corona bleibt dominantes Risiko

Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie bleibt mit 70 Prozent der Unternehmensstimmen branchenübergreifend das dominante Risiko. Im Handel befürchten sogar 75 Prozent der Betriebe dadurch weitere Beeinträchtigungen. Der Fachkräftemangel wird von 44 Prozent der Unternehmen als Risiko benannt und rückt damit auf den zweiten Platz vor. Deutlich zugelegt in der Risikobewertung der Unternehmen haben die hohen Energie- und Rohstoffpreise, die von den Unternehmen als drittgrößtes Risiko bewertet werden (Frühsommer 2021: 42 Prozent; Jahresbeginn 2021: 29 Prozent). Hier machen sich unter anderem die Einführung der nationalen CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme sowie steigende Ölpreise bemerkbar.