Pressemitteilung vom 15.10.2026

IHK-Konjunkturbericht Rheinland-Pfalz zum Herbst 2026

Konjunkturklima hellt sich auf, Erwartungen bleiben pessimistisch

Die wirtschaftliche Stimmung in Rheinland-Pfalz hat sich zum Herbst 2026 verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Frühsommer um acht Punkte auf 89 Zähler. Damit erholt sich die Stimmung zwar deutlich von ihrem tiefen Stand aus dem Frühjahr, bleibt jedoch weiterhin klar unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft befindet sich damit nach wie vor in einer Rezessionsphase.
Ausschlaggebend für die Aufhellung sind sowohl die leicht bessere Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch weniger pessimistische Erwartungen für die kommenden Monate. Dennoch bleibt die wirtschaftliche Erholung fragil. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie steigende Arbeitskosten belasten die Unternehmen weiterhin erheblich.
Konjunkturklima

Unternehmen bewerten aktuelle Lage wieder positiver

24 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 47 Prozent als befriedigend und 29 Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen verbessert sich von minus neun auf minus fünf Punkte.
Auch die Geschäftserwartungen hellen sich auf. Während im Frühsommer noch 38 Prozent von schlechteren Geschäften ausgingen, sind es nun 29 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen mit positiven Erwartungen von elf auf 14 Prozent. Der Erwartungssaldo verbessert sich dadurch von minus 27 auf minus 15 Punkte. Die Lücke zwischen pessimistischen und optimistischen Stimmen hat sich damit deutlich verkleinert. Dennoch überwiegt weiterhin die Skepsis hinsichtlich der kommenden Monate.
„Die Stimmung in der rheinland-pfälzischen Wirtschaft hellt sich etwas auf, von einem nachhaltigen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. Jetzt sind Bund und Land gefordert, die angekündigten Reformen zügig umzusetzen. Die Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen, damit aus den ersten Lichtblicken wieder Wachstum entstehen kann“, betont Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.
Lage

Standortprobleme bleiben größte Wachstumsbremse

Mit 73 Prozent bleiben die Energie- und Rohstoffpreise das mit Abstand größte Geschäftsrisiko der Unternehmen. Unverändert hoch ist die Belastung durch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die von 62 Prozent der Betriebe genannt werden. Mehr als jedes zweite Unternehmen bewertet zudem die schwache Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.
„Die strukturellen Herausforderungen sind weiterhin groß. Hohe Kosten, bürokratische Belastungen und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen schränken die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe nach wie vor ein. Die aktuellen Risikobewertungen zeigen, dass hier weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht,“ sagt Dr. Florian Steidl, wirtschaftspolitischer Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.
Geschäfterisiken

Investitionen und Beschäftigung bleiben zurückhaltend

Trotz besserer Stimmung bleiben die Unternehmen bei ihren Zukunftsplanungen vorsichtig. Der Investitionssaldo verbessert sich zwar von minus 14 auf minus neun Punkte, dennoch plant weiterhin ein Drittel der Unternehmen mit sinkenden Investitionsausgaben. Nur 24 Prozent wollen ihre Investitionen erhöhen.
Auch am Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Trendwende ab. Der Beschäftigungssaldo liegt unverändert bei minus 15 Punkten. Lediglich elf Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, während 26 Prozent von einem Beschäftigungsabbau ausgehen.
Investitionserwartungen

Industrie, Dienstleistungen und Gastgewerbe erholen sich – Handel mit größten Herausforderungen

Die stärkste Stimmungsaufhellung verzeichnet die Industrie: Der Klimaindex steigt um elf auf 93 Punkte. Geschäftslage, Auftragsbestände, Kapazitätsauslastung, Geschäftserwartungen und Exportaussichten verbessern sich, liegen aber weiterhin im negativen Bereich.
Auch die Dienstleistungswirtschaft entwickelt sich günstiger. Der Klimaindex verbessert sich von 86 auf 94 Punkte. Bei der Geschäftslage überwiegen wieder die positiven Bewertungen, auch die Erwartungen hellen sich spürbar auf, bleiben aber insgesamt zurückhaltend.
Im Gastgewerbe steigt der Klimaindex von 82 auf 87 Punkte, die aktuelle Geschäftslage wird wieder leicht positiv bewertet. Insgesamt blickt die Branche weiterhin pessimistisch auf die kommenden Monate.
Der Handel bleibt deutlich hinter den anderen Branchen zurück. Der Klimaindex verbessert sich zwar von 70 auf 75 Punkte, die Geschäftslage wird jedoch schlechter bewertet als im Frühsommer.
Indikatorpunkte
„Die Unternehmen in Rheinland-Pfalz beweisen einmal mehr ihre Widerstandskraft. Die wirtschaftliche Lage bleibt aber fragil und die Aufhellung ist noch nicht flächendeckend angekommen. Umso wichtiger ist es, dass Bund und Länder den Betrieben wieder mehr Freiräume für Investitionen und Innovationen eröffnen“, sagt Arne Rössel.

Die repräsentative Konjunkturumfrage der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz wurde vom 11. September bis 2. Oktober 2026 durchgeführt. Beteiligt haben sich 930 Unternehmen aller Größen und Branchen mit insgesamt rund 208.000 Beschäftigten.