Pressemitteilung vom 13.05.2026

IHK-Konjunkturbericht Rheinland-Pfalz zum Frühsommer 2026

Rheinland-pfälzische Wirtschaft verliert Zuversicht – Klimaindex stürzt ab
Die wirtschaftliche Gesamtstimmung in Rheinland-Pfalz hat sich zum Frühsommer 2026 erneut spürbar verschlechtert – die Rezession verfestigt sich weiter. Als zusammenfassende Beurteilung von Geschäftslage und Erwartungen fällt der IHK-Konjunkturklimaindex gegenüber dem Jahresbeginn um zwölf Punkte auf nur noch 81 Punkte. Damit bleibt der Index seit vier Jahren durchgehend unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten.
Ausschlaggebend für den Einbruch des Geschäftsklimas ist der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen. Nur noch elf Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, während 38 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Im Vergleich zum Jahresbeginn ist dies ein drastischer Anstieg der pessimistischen Stimmen. Der Erwartungssaldo bricht entsprechend von -7 auf -27 Prozentpunkte ein.
Die aktuelle Geschäftslage wird dagegen ähnlich bewertet wie im Vorjahr: Jedes fünfte Unternehmen spricht von einer guten Geschäftslage, 29 Prozent bewerten ihre Lage als „schlecht“. Rund die Hälfte der Betriebe bezeichnet ihre Situation als „befriedigend“.

Wirtschaft fordert schnelle Entscheidungen und Wachstumsimpulse

„Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage verdeutlichen die Vielzahl der Herausforderungen, mit denen die Unternehmen in Rheinland-Pfalz derzeit konfrontiert sind. Damit die pessimistischen Erwartungen nicht zur Realität werden, braucht die Wirtschaft jetzt eine handlungsfähige Landesregierung, die Entscheidungen trifft und Wachstumsimpulse setzt. Ohne klare Impulse droht eine weitere Verschärfung der Rezession“, betont Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.
Lage Erwartungen

Energie- und Rohstoffpreise und politische Unsicherheit belasten Betriebe massiv

Der Blick auf die Gründe für die schlechten Erwartungen offenbart: Insgesamt 77 Prozent der Unternehmen bewerten die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise als geschäftskritisch – ein sprunghafter Anstieg gegenüber dem Jahresbeginn. Hintergrund sind insbesondere die Auswirkungen des anhaltenden Nahostkonflikts, der zu erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten geführt hat. In der Folge steigen die Spritpreise deutlich, was sich unmittelbar in höheren Transport- und Produktionskosten niederschlägt. Zudem bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 62 Prozent der Nennungen ein erhebliches Risiko. Auch die Arbeitskosten sowie die schwache Inlandsnachfrage werden jeweils von mehr als der Hälfte der Unternehmen als zentrale Herausforderungen genannt.
Geschäftsrisiken

Wachstumsindikatoren

Die wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. Der Anteil der Betriebe, die geringere Investitionen planen, steigt auf 37 Prozent, während nur noch 23 Prozent ihre Investitionen ausweiten wollen.
Auch die Beschäftigungspläne bleiben zurückhaltend: 65 Prozent der Unternehmen versuchen trotz der angespannten Lage, ihre Belegschaften stabil zu halten. Gleichzeitig plant jedoch nur jedes zehnte Unternehmen einen Personalaufbau.
Investitionserwartungen

Abschwung in allen Branchen

Die konjunkturelle Eintrübung zeigt sich branchenübergreifend. Einen besonders starken Rückgang verzeichnet die Industrie, deren Konjunkturklimaindex auf 82 fällt (minus 14 Punkte zur Vorumfrage).
„Hohe Energie- und Rohstoffpreise, die anhaltend schwache Auftragslage sowie eine vielerorts unzureichende Kapazitätsauslastung setzen die Industrieunternehmen unter Druck und dämpfen die Geschäftserwartungen spürbar. Gleichzeitig belasten steigende Transportkosten, unsichere Absatzmärkte und zunehmende geopolitische Spannungen das Auslandsgeschäft vieler Betriebe. Die Industrie, lange Zeit Konjunkturmotor der Wirtschaft, verliert damit weiter an Zugkraft“, macht Rössel deutlich.
Im Handel sinkt der Konjunkturklimaindex auf 70 Punkte, wobei insbesondere die Erwartungen mit einem Saldo von minus 40 Prozentpunkten äußerst pessimistisch ausfallen.
Nachdem der Dienstleistungssektor in den vergangenen Jahren vergleichsweise gute Lagebewertungen verzeichnet hatte, fällt nun auch hier der Lagesaldo in den negativen Bereich.
Das Gastgewerbe bleibt ebenfalls stark unter Druck: Trotz einer leichten Verbesserung der aktuellen Lage verschlechtern sich die Erwartungen ebenfalls deutlich.
Konjunkturklima
„Viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz stehen massiv unter Druck. Hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und schwache Nachfrage nehmen die Planungssicherheit und zunehmend auch den Optimismus. Umso wichtiger ist es, dass die neue Landesregierung jetzt schnell ins Handeln kommt und gemeinsam mit der Wirtschaft die richtigen Impulse setzt“, so Rössel abschließend.
Die Konjunkturumfrage der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz wurde im Zeitraum vom 10. bis 30. April 2026 durchgeführt. Teilgenommen haben 1.027 Unternehmen aller Größen und Branchen mit insgesamt rund 190.000 Beschäftigten.