Die große Mehrheit der Auszubildenden in Rheinland-Pfalz ist mit ihrer Ausbildung zufrieden – 75,2 Prozent würden sich erneut für ihren Ausbildungsbetrieb entscheiden. Dennoch fühlen sich die Jugendlichen mit ihrem gewählten Berufsweg zu wenig wertgeschätzt und wünschen sich mehr gesellschaftliche und politische Anerkennung. Das zeigt die zweite landesweite Azubi-Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Rheinland-Pfalz. An der Umfrage beteiligten sich 6.335 Auszubildende aller Berufe und Ausbildungsjahre – rund 20 Prozent aller IHK-Azubis im Land.
Aus den Umfrageergebnissen leitet die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz klare Forderungen an die Landesregierung ab. Dazu zählt eine systematische und praxisnahe Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen, die sowohl berufliche als auch akademische Bildungswege vermittelt. Zudem fordert die IHK eine konsequente Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sowie gezielte Investitionen in eine moderne, fachspezifische Ausstattung der berufsbildenden Schulen.
Investitionsbedarf an den Berufsbildenden Schulen
Vor allem bei den Berufsschulen zeigt die Azubi-Umfrage dringenden Handlungsbedarf: So äußern sich mehr als ein Drittel der Jugendlichen unzufrieden über die Rahmenbedingungen. Die Kritik der Auszubildenden richtet sich vor allem auf die fachliche Qualität des Unterrichts sowie auf Ausstattung, Lernumgebung und die Organisation des Stundenplans.
„Wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass die Rahmenbedingungen einer Ausbildung denen eines Studiums in nichts nachstehen“, sagt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. „Die Berufsbildenden Schulen sind unverzichtbar für eine erfolgreiche Ausbildung – sie müssen genauso gefördert werden wie die allgemeinbildenden Schulen des Landes.“
Aufwertung der beruflichen Bildung
Die Ergebnisse machen ebenso deutlich, dass die gesellschaftliche Wertschätzung der beruflichen Bildung gestärkt werden muss: Mehr als zwei Drittel der Auszubildenden fühlen sich in ihrer Entscheidung für eine Ausbildung nicht ausreichend anerkannt und erwarten hier mehr Unterstützung aus Politik und Gesellschaft.
Arne Rössel stellt fest: „Die duale Ausbildung ist ein international anerkanntes Modell zur Qualifizierung junger Menschen für den Arbeitsmarkt. Sie bildet die Basis unserer Wirtschaftsstärke und verdient denselben Stellenwert wie die akademische Bildung.“
Berufsorientierung und Engagement der Ausbildungsbetriebe
Zugleich zeigt die Umfrage, dass viele junge Menschen ihren Ausbildungsweg sehr bewusst wählen: Gut zwei Drittel der Auszubildenden haben ihren Ausbildungsberuf gut informiert und mit klarem Interesse gewählt: 47,7 Prozent der Befragten absolvieren die Ausbildung in einem von mehreren Berufen, der zu ihren Interessen passt. Weitere 22,2 Prozent erlernen sogar ihren Wunschberuf. Dabei sind bei der Berufsorientierung vor allem persönliche Kontakte und praktische Einblicke entscheidend: Der Austausch mit Freunden und Familie sowie Erfahrungen mit IHKs, Organisationen und Ausbildungsbetrieben bei Messen, Betriebsbesuchen und Praktika beeinflussen die Berufswahl junger Menschen maßgeblich.
Die Zufriedenheit mit den Ausbildungsunternehmen begründen die Auszubildenden vor allem mit dem wertschätzenden Umgang im Kollegenkreis und durch Ausbildungsverantwortliche. Auch Qualität und Rahmenbedingungen der Ausbildung sowie ein Ausbildungsberuf, der den eigenen Interessen entspricht, tragen dazu bei.
„Darin zeigt sich auch das Engagement der Ausbildungsbetriebe: Gute Betreuung und verlässliche Rahmenbedingungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Zufriedenheit der Auszubildenden“, stellt Arne Rössel fest.
Zur Umfrage
Die IHK-Azubi-Umfrage 2026 wurde im zweiten Jahr in Folge von den vier Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz erhoben. Dafür haben die IHKs vom 16. April bis zum 3. Mai 2026 alle per E-Mail erreichbaren Auszubildenden aus allen Ausbildungsjahren und Ausbildungsberufen befragt. Den Azubis wurden insgesamt 14 Fragen zu ihrem Berufsorientierungsprozess, ihrer Ausbildung und ihrem Ausbildungsbetrieb gestellt. In diesem Jahr wurden die beiden anlassbezogenen Sonderthemen „Künstliche Intelligenz“ und „Berufsschule“ mit weiteren drei Fragen aufgenommen. Insgesamt haben 6.335 Auszubildende teilgenommen, und damit 20 Prozent aller Auszubildenden in IHK-Berufen landesweit. Die Umfrage soll im Abstand von drei Jahren weitergeführt werden. Alle Ergebnisse finden sich in der IHK-Azubi-Umfrage 2026 (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 755 KB).