Pressemitteilung vom 28.10.2026

IHK-Umfrage: 93 Prozent erleben vermeidbare Verzögerungen bei Bauprojekten

IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz/Saarland zum „Bau-Turbo“ / Veranstaltung mit Bundesbauministerin am 16. November
Langwierige Genehmigungsverfahren, komplizierte Vorschriften und aufwendige Abstimmungen mit Behörden bremsen Bauvorhaben aus. Das zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Rheinland-Pfalz und dem Saarland unter 108 Unternehmen und Akteuren der Bau-, Planungs- und Immobilienwirtschaft. Demnach erleben 93 Prozent der Befragten regelmäßig oder häufig vermeidbare Verzögerungen bei Bauprojekten. Die Unternehmen begrüßen die Reformpläne der Bundesregierung, bezweifeln aber, dass diese in der Praxis die erhoffte Beschleunigung bringen.
Der seit Oktober 2025 geltende „Bau-Turbo“ eröffnet Kommunen neue Spielräume, um Wohnungsbau schneller zu ermöglichen. Das geplante „BauGB-Upgrade“ soll Verfahren zusätzlich vereinfachen, digitalisieren und Bürokratie abbauen. Aus Sicht der IHKs kommt es nun darauf an, diese Möglichkeiten konsequent zu nutzen und die Beschleunigung auch auf Gewerbe- und Infrastrukturprojekte auszuweiten. Die Umfrage zeigt, wo Unternehmen aktuell die größten Hindernisse sehen: 76 Prozent nennen langsame Genehmigungsverfahren, für 70 Prozent sind es umfangreiche Vorschriften und Regelwerke, für 65 Prozent die Abstimmung mit mehreren Behörden.
Ob der Bau-Turbo tatsächlich zündet, entscheidet sich aus Sicht der Wirtschaft vor allem in den Behörden: 78 Prozent der Unternehmen, die diese Frage beantwortet haben, sehen die zurückhaltende Nutzung der neuen Möglichkeiten als zentrales Risiko für den Erfolg der Reformen. Personalmangel in den Verwaltungen (43 Prozent) sowie unklare rechtliche Vorgaben und deren Auslegung (42 Prozent) folgen mit Abstand.

Mehrheit der Betriebe zweifelt an schnellerer Planung

Hierzu erklärt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz:
„Die gesetzlichen Reformen sind ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist aber, dass die neuen Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt werden. Wir brauchen einfachere Verfahren, digitale Abläufe und Verwaltungen, die vorhandene Spielräume ausschöpfen und Entscheidungen zügig treffen. Die Beschleunigung darf sich zudem nicht auf den Wohnungsbau beschränken. Auch Unternehmen müssen schneller bauen, erweitern und investieren können. Gleiches gilt für wichtige Infrastrukturprojekte.“
Die Skepsis der Wirtschaft zeigt sich auch bei der Bewertung der angekündigten Verbesserungen: 59 Prozent der befragten Unternehmen halten die angestrebte Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für wenig oder nicht wirksam. 61 Prozent bezweifeln, dass sich entsprechende Verfahren künftig regelmäßig innerhalb von rund zwei Jahren abschließen lassen.
In den offenen Antworten wünschen sich die Unternehmen vor allem eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit den Behörden, weniger Bürokratie und einfachere, einheitliche Verfahren. Auch die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle: Anträge und Unterlagen sollen möglichst vollständig digital bearbeitet werden können, ohne dass Daten mehrfach eingegeben oder Dokumente zwischen Papier und digitalen Systemen übertragen werden müssen. Aus Sicht der IHKs kommt es deshalb nicht allein auf neue Gesetze an. Damit Bauvorhaben tatsächlich schneller umgesetzt werden können, müssen Verwaltungsabläufe vereinfacht, digitale Verfahren ausgebaut und vorhandene rechtliche Möglichkeiten konsequent genutzt werden. Dafür benötigen die zuständigen Behörden auch ausreichend Personal und klare Entscheidungsgrundlagen.

Im Livestream: Regionalpolitischer Abend zum Bau-Turbo am 16. November

Wie können Bauvorhaben schneller geplant, genehmigt und umgesetzt werden? Und was muss sich ändern, damit auch Gewerbegebiete und Infrastrukturprojekte zügiger vorankommen? Darüber diskutiert die IHK -Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz/Saarland beim Regionalpolitischen Abend „Planen – Bauen – Genehmigen – Wie der Bau-Turbo gelingt“ mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung am
Montag, 16. November 2026, um 19 Uhr.
Auf dem Programm stehen eine Keynote von Bundesbauministerin Verena Hubertz sowie ein Impuls von DIHK-Präsident Peter Adrian. Die große Resonanz zeigt das hohe Interesse am Thema: Alle Plätze vor Ort sind bereits vergeben. Interessierte können die Veranstaltung im Livestream auf dieser Homepage verfolgen.