Fachkräftesicherung

Fachkräfte sichern durch Teilqualifikationen: Das Prinzip der modularen Weiterqualifizierung

Teilqualifikationen (TQs) bieten Erwachsenen die Möglichkeit, schrittweise berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben und am Ende des Prozesses einen Berufsabschluss nachzuholen. Die stufenweise Weiterqualifizierung richtet sich an Personen, die über 25 Jahre alt sind und für die eine herkömmliche Berufsausbildung nicht mehr zielführend ist. Teilqualifikationen erhöhen für Erwachsene ohne formalen Berufsabschluss, in den Beruf zurückkehrenden Menschen mit nicht mehr arbeitsmarktlich verwertbaren Qualifikationen, Arbeitslose und Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings profitieren nicht nur Arbeitsuchende von Teilqualifikationen: Unternehmen können Mitarbeitende nach dem eigenen Bedarf weiterqualifizieren und damit bereits vorhandene Potenziale fördern sowie durch den Fachkräftemangel entstehende Leerstellen effizient besetzen.

Beispiele zu IHK-Teilqualifikationen

Die IHK-Teilqualifikationen decken ein breites Spektrum an Berufen ab, unter anderem für die Bereiche Metall- und Elektrotechnik, Gastgewerbe, Einzelhandel und Büromanagement, beispielsweise folgende Berufe:
  • Fachkraft für Metalltechnik,
  • Maschinen- und Anlagenführer/in,
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement,
  • Berufe im Gastgewerbe,
  • Berufskraftfahrer/in.
Teilqualifikationen werden durch Bildungsdienstleister und Unternehmen angeboten, bei denen die Teilnehmenden einzelne theoretische und praktische Bausteine durchlaufen. Anschließend findet eine Kompetenzfeststellung vor der zuständigen IHK statt, die bei erfolgreichem Bestehen mit einem Zertifikat bescheinigt wird, das als anerkannter Nachweis der beruflichen Qualifikation gilt. Wenn Teilnehmende alle Bausteine einer Teilqualifikation absolviert haben, können sie zur Externenprüfung zugelassen werden und damit den Ausbildungsabschluss nachholen.
  1. Teilqualifikationen zum Nachholen eines Ausbildungsabschlusses: Das gemeinsame Projekt der IHK Pfalz mit der DEKRA Akademie GmbH unterstützte Teilnehmende gezielt dabei, einzelne Ausbildungsinhalte nachzuholen. Nach Abschluss aller TQ-Bausteine, zum Beispiel im Bereich Lagerlogistik, können die Teilnehmenden an der Externenprüfung teilnehmen und so den vollständigen Berufsabschluss zur „Fachkraft für Lagerlogistik“ erwerben. Damit unterstützt das Projekt ihre beruflichen Perspektiven und erhöht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
  2. Teilqualifikationen als Möglichkeit der Integration: Die IHK Koblenz führte die Kompetenzfeststellung von Teilnehmenden für einen TQ-Baustein im Beruf „Kaufmann/-frau für Büromanagement“ durch. Dabei handelte es sich um geflüchtete Personen mit Vorerfahrung in der Büroarbeit und guten Deutschkenntnissen (B2-Niveau). Die Wifa-Gruppe (Kölner Wirtschaftsfachschule GmbH) hat den Teilnehmenden am Standort Koblenz in sechs Monaten berufliche Kenntnisse theoretisch vermittelt. Das Erlernen praktischer Fertigkeiten fand im Rahmen eines parallel dazu laufenden Betriebspraktikums statt. Mit dem Absolvieren des TQ-Bausteins können die Teilnehmenden nachweisen, dass sie geprüfte Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt sind.

Was die Politik tun kann

  1. Bekanntmachung und Verbreitung des Projekts: Der Fachkräftebedarf bei gleichzeitig hoher Zahl an formal Geringqualifizierten beschäftigt viele Unternehmen. Da vorwiegend qualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden, aber immer mehr Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Abschluss verlassen und dem Arbeitsmarkt so nicht zur Verfügung stehen, sind Teilqualifikationen ein wichtiges Instrument, um darauf zu reagieren. Damit Teilqualifikationen als Modell der Fachkräftesicherung bekannter werden, kann die Politik noch intensiver darüber informieren und gezielter die Personengruppen adressieren, für die Teilqualifikationen von besonderer Relevanz sind. Neben nach Fachkräften suchenden Unternehmen, die ihre eigenen Mitarbeitenden weiterqualifizieren können, muss das Projekt vor allem bei Erwachsenen ohne formalen Berufsabschluss, Arbeitslosen und Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund bekannter gemacht werden, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch den Abschluss von Teilqualifikationen zu erhöhen.
  2. Steigerung der Attraktivität von Teilqualifikationen: Um die Teilnahme an TQ-Bausteinen und das nachträgliche Erwerben eines Berufsabschlusses attraktiver und zugänglicher für eine größere Anzahl von Erwachsenen zu machen, muss die Politik ihre Finanzierungshilfen aufstocken. Der mit dem Absolvieren von TQ-Bausteinen einhergehende Arbeitsentgeltzuschuss für rheinland-pfälzische Unternehmen muss ausgebaut werden, um Betriebe dazu zu ermutigen, ihre Mitarbeitenden durch Teilqualifikationen weiter zu qualifizieren. Die Unterstützung der Unternehmen bei dieser Weiterqualifizierung der eigenen Mitarbeitenden stärkt die rheinland-pfälzische Wirtschaftskraft direkt, weil bspw. Erwachsene ohne formalen Bildungsabschluss zu Fachkräften ausgebildet werden.

Was die IHKs tun

Die rheinland-pfälzischen IHKs führen bereits seit 2019 Kompetenzfeststellungen für Teilqualifikationen in kleinen Fallzahlen durch. Dies geschieht sowohl in Zusammenarbeit mit Bildungsträgern als auch auf gezielte Nachfrage für regionale Unternehmen. Gerade im Zuge des deutlich spürbar werdenden Fachkräftemangels und damit verbundenen betrieblichen Leerstellen steigt die Relevanz von Teilqualifikationen. Die IHK Koblenz hat im Zuge des Bildungsforums mit dem Schwerpunktthema „Neue Wege der Fachkräftesicherung“ umfassend über die Notwendigkeit kreativer und innovativer Rekrutierungsstrategien informiert und unter anderem Teilqualifikationen als ein mögliches Modell dargestellt. Darüber hinaus bespielt die IHK Koblenz das Thema kontinuierlich in regelmäßigen Informationsveranstaltungen, Webinaren und Unternehmensformaten, in denen Chancen, Umsetzungsmöglichkeiten und Best‑Practice-Beispiele zu Teilqualifikationen vorgestellt werden. Mit der TQ‑Allianz in der Region treibt die IHK Koblenz zudem aktiv die Vernetzung aller relevanten Akteure, darunter Arbeitsagenturen, Jobcenter und Bildungsträger, voran, um den Austausch zu stärken, Transparenz zu schaffen und den Ausbau bedarfsgerechter Teilqualifikationsangebote zu fördern.
Informationen bei der IHK Koblenz
Informationen bei der IHK für Rheinhessen
Informationen bei der IHK Pfalz
Informationen bei der IHK Trier