Europäisches Verkehrswegenetz

Sorgenkind Rhein

Verkehr überwindet Grenzen. Verkehrsinfrastruktur lediglich regional orientiert – innerhalb von Bundes- oder Landgrenzen – zu denken, wäre sträflich. Deshalb setzen sich die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) dafür ein, den notwendigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur gezielt über die Union Europäischer Industrie- Handelskammern (UECC) auch in einen europäischen Rahmen einzuordnen.

Der Rhein als Puzzleteil

Zu den wichtigsten transnationalen Verkehrsachsen in unserer Region gehört der Rhein. Als zentrale Wasserstraße ist er durch seine Flaschenhalsproblematik zwischen Mainz/Wiesbaden und St. Goar aber auch ein „Sorgenkind“ des Verkehrsnetzes. Der Fluss verbindet eine Reihe von deutschen Bundesländern; letztlich ist er allerdings „nur“ essentieller Bestandteil einer der neun zentralen Verkehrskorridore in Europa:
  1. Nord-Ostsee-Korridor
  2. Skandinavien-Mittelmeer-Korridor
  3. Atlantikkorridor
  4. Nordsee-Mittelmeer-Korridor
  5. Mittelmeerkorridor
  6. Rhein-Donau-Korridor
  7. Rhein-Alpen-Korridor
  8. Ostsee-Adria-Korridor
  9. Korridor Orient-östliches Mittelmeer)

Rheinvertiefung hat überregionale Bedeutung

Damit der Rhein seiner Rolle im transeuropäischen Güterverkehrskorridor gerecht werden kann, muss seine ganzjährige Schiffbarkeit garantiert sein – auch in Zeiten von Niedrigwasser. Gemeinsam mit der UECC fordern die IHKs in Rheinland-Pfalz deshalb ein zügiges Vorantreiben der Fahrwasserverbesserungen am Rhein.

Zwar hat die Rheinvertiefung zwischen Mainz/Wiesbaden und St. Goar laut dem Bundesverkehrswegeplan 2030 höchste Priorität. Doch sei der politische Wille zur Umsetzung nicht erkennbar, so die UECC. 
„Wenn das erklärte Ziel, die Binnenschifffahrt in Europa leistungsfähiger zu machen, erreicht werden soll, dann sind alle Akteure gefordert, das Projekt Rheinvertiefung gemeinsam mit hoher Priorität anzugehen“, betont Arne Rössel, Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.

Alternativen zu überlasteten Straßen

Der Sprecher des Kompetenzteams Verkehr der rheinland-pfälzischen IHKs, Nicole Rabold, ergänzt:
„Wir müssen leistungsfähige Alternativen zum bereits heute stark überlasteten Verkehrsträger Straße schaffen – Investitionen in die Binnenschifffahrtswege sind deshalb unumgänglich. Nur so bleiben die europäischen Binnenschifffahrtsnetze konkurrenzfähig.“
Weil die Fahrrinnen des Rheins teilweise zu flach sind und Niedrigwasserzeiten immer häufiger werden, sind die Transportkapazitäten der passierenden Schiffe an vielen Tagen im Jahr deutlich eingeschränkt. Schon eine Vertiefung von 30 Zentimetern brächte eine große Entlastung: Die Ladung von 800.000 Lkw pro Jahr oder 2.192 Lkw pro Tag, so hat die UECC errechnet, ließen sich durch eine solche Anpassung der Fahrrinnen auf die Wasserstraße verlagern – auch mit Blick auf den Umweltschutz eine bedeutende Zahl. 
„Verkehrsachsen verlaufen durch Europa, ohne Rücksicht auf Landesgrenzen zu nehmen. Eine strukturierte europäische Verkehrsplanung und Infrastruktur ist daher notwendig, um den Rahmen zu schaffen, damit das steigende Verkehrsaufkommen der nächsten Jahre bewältigt werden kann“, so Rössel.

Verkehr kennt keine Ländergrenzen

Eine Politik der transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-V) muss auf der Erkenntnis beruhen, dass leistungsfähige und gut vernetzte Infrastrukturen von zentraler Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand der EU sind. Die Planungen des transeuropäischen Netz im Bereich Verkehr (TEN-V), das alle Regionen der EU miteinander verbinden soll, wurden Ende 2013 grundlegend reformiert. Aktuelle Informationen finden sich auf den Seiten des Europäischen Parlaments.