Angespannte Lage

Unternehmensfinanzierung im zweiten Corona-Winter

Die Corona-Krise hat die Unternehmensfinanzierung verändert. Es wurde viel Liquidität verbraucht und die Eigenkapitaldecke vieler Betriebe ist dünner geworden. Neben einer Corona-Politik, die der Wirtschaft möglichst wenig Restriktionen auferlegt, müssen von staatlicher Seite daher die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Finanzierung von Unternehmen auch unter pandemischen Bedingungen besser funktionieren kann. Die bisherigen Erfahrungen mit der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen können dabei genutzt werden, um steuerliche Rahmenbedingungen und Maßnahmen zur finanziellen Förderung so zu verbessern, dass Betriebe den weiteren Verlauf der Pandemie finanziell besser überstehen.
Betriebliche Liquiditätsengpässe als Folge sich verzögernder wirtschaftlicher Erholung
Die Erholung der deutschen Wirtschaft gerät vor dem Hintergrund von Preisanstiegen für wichtige Rohstoffe und Lieferengpässen ins Stocken. Für das Bruttoinlandsprodukt wird über das Winterhalbjahr ein nur noch schwacher Anstieg prognostiziert. Insbesondere die von Schließungen während der Pandemie betroffenen Betriebe konnten die Verluste der vergangenen Monate noch nicht wieder aufholen und Umsätze bleiben weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau – beispielsweise im Gastgewerbe oder im Einzelhandel. Und angesichts der vierten Pandemie-Welle erleben ganze Branchen wieder ein ähnliches Szenario wie im Vorjahr. Betriebe, die besonders stark von den Lockdowns betroffen waren, kämpfen deshalb mit Liquiditätsengpässen. Durch diese angespannte Finanzierungssituation wird eine nachhaltige Rückkehr zur Geschäftsnormalität in vielen Unternehmen jedoch weiter erschwert.

Was die Politik tun kann

  1. Steuerliches Umfeld anpassen: Ein nochmals deutlich verbesserter Verlustrücktrag würde besonders von der Krise betroffenen Unternehmen schnell dabei helfen, kurzfristig Liquidität zu erhalten. Darüber hinaus sollte die degressive steuerliche Abschreibung dauerhaft gelten, um Unternehmen nachhaltige Investitionsanreize zu geben. Auch die Grenze der steuerlichen Sofortabschreibung – aktuell 800 Euro – sollte deutlich erhöht werden, da es für Unternehmen leichter würde, schneller auf Krisen zu reagieren, wenn kleinere Investitionen steuerlich besser abgeschrieben werden könnten. Auf Landesebene muss die Grunderwerbssteuer gesenkt oder beim Ersterwerb ein Freibetrag von 500.000 Euro auf die Grunderwerbssteuer gewährt werden, um Unternehmen im Kontext der Teilnahme am Rechts- und Wirtschaftsverkehr eine Steuerersparnis zu ermöglichen.
  2. Förderinstrumente professionell verwalten und zielgenauer ausrichten: Zwischen Bund und Ländern abgestimmte Verwaltungsstrukturen für Förderinstrumente inklusive Standards in den öffentlichen IT-Infrastrukturen könnten die Auszahlungen von Hilfen, aber auch die Betrugsprävention beschleunigen. Ebenso könnten Förderanträge über die Einbindung der Finanzverwaltung vereinfacht werden, da diese bereits über einen Teil der relevanten Unternehmensdaten sowie über eine Kassen- bzw. Auszahlungsinfrastruktur verfügen. Eine öffentliche „Lockdown-Datenbank“ mit Daten zu den regional unterschiedlichen staatlichen Anordnungen würde Antragstellern darüber hinaus den Nachweis der Betroffenheit und den Bezug zu spezifischen Schließungs- und anderen einschränkenden Anordnungen erleichtern. Bei Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sollten befristet entgangene Einnahmen durch Zuschüsse zu den laufenden persönlichen Lebenshaltungskosten ausgeglichen werden, ohne dass die Altersvorsorge oder betrieblich notwendige Mittel zunächst aufgebraucht werden müssen.
  3. Kreditvergaben aus öffentlicher Hand nachjustieren: Kreditangebote sollten frühzeitig mit Konzepten zur Sicherung von Eigenkapital in Unternehmen verbunden und flächendeckende Umsetzungsstrukturen für Eigenkapitalhilfen sichergestellt werden. Darüber hinaus sollten Daten zu Antragsverfahren und Bearbeitungszeiten bei Krediten aus öffentlicher Hand ebenso systematisch ausgewertet werden wie Erkenntnisse aus den Ausfallraten. So könnten Angebote auf der einen und Prüfungsroutinen auf der anderen Seite an die Praxis angepasst werden.

Was die IHKs tun

Die IHKs fungieren als erste Anlaufstelle für Unternehmen, die zu Corona-Hilfen beraten werden möchten. Informationen zu verschiedenen Hilfsprogrammen müssen entsprechend kurzfristig aufbereitet und in telefonischer Beratung oder via Newsletter weitergegeben werden. Gleichzeitig haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hotlines ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Unternehmen und nehmen politische Forderungen von Seiten der Betriebe auf, um sie in die Gesamtinteressenvertretung gegenüber der Politik einfließen zu lassen. Zu Beginn der Pandemie mündete dies in bis zu sechs Stunden Telefonservice pro Mitarbeiter am Tag und sogar in Servicezeiten am Wochenende. Aufgrund der vermehrten Anrufe verunsicherter Unternehmer in der vierten Corona-Welle wurden die Corona-Hotlines bereits wieder reaktiviert.