Politikbrief

Neues Weinrecht ohne Vermarktungsimpulse


Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat seine Entwürfe zur Anpassung des Weingesetzes und der Weinverordnung vorgelegt. Die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) begrüßen den darin enthaltenen Grundgedanken einer Neuausrichtung des Bezeichnungsrechts hin zu einer Herkunftsprofilierung, um das System international vergleichbarer zu machen. Doch die IHKs weisen auch auf kritische Punkte hin, etwa bei der Herkunftsbezeichnung. Durch eine Zusatzkennzeichnung mit dem Begriff „Region“ werden Weine, die der Kategorie Bereich oder Großlagen zuzuordnen sind, besonders beim Export die Vermarktungsperspektiven erschwert. Absatzsteigerung und zusätzliche Wertschöpfung dürfen nicht durch Einschränkungen beeinträchtigt werden. Es gilt, sich mit den bereits bestehenden qualitätssichernden Maßnahmen und mit einem professionellen Marketing dem Wettbewerb aktiv zu stellen.

Was die Politik tun kann

Der Vorschlag des BMEL, die einschränkende Rebsortenliste bei Weinen ohne Herkunftsangabe von 22 auf zehn Rebsorten zu kürzen, folgt der EU-Systematik und erleichtert deutschen Weinen ihre Wettbewerbssituation. Diese Vereinfachung zur Vermarktung von Basisweinen ist zwingende Voraussetzung für den Einstieg in eine Herkunftsprofilierung in der Spitze und dringend zu unterstützen.
Zudem sollte die Zusatzbezeichnung „Region“ nur für Ausnahmefälle vorgesehen werden. Die Angabe „Region“ erschwert die Vermarktung der Stufe Bereich/Großlage. Sie ist nur dann dienlich, wenn eine Verwechslung mit Gemeindenamen oder Lagenweinen droht.
Regionalen Schutzgemeinschaften sollen mehr Verantwortung erhalten. Die konkreten Anforderungen für die Stufe Ortswein und Einzellage sind in den Schutzgemeinschaften und nicht auf Bundesebene festzulegen. Eine fest definierte Vorgabe von Rebsortenlisten, Restzuckergrenzen oder Vermarktungsterminen in der Weinverordnung ist unflexibel, wenig marktorientiert und schmälert die Kompetenz auf der regionalen Ebene.