Pressemitteilung

Unternehmen brauchen eine starke EU

08. April 2019: Vor den Europawahlen wirbt die Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) für einen EU-Binnenmarkt der offenen Grenzen. Dass in Zeiten großer politischer Herausforderungen und verschärftem globalen Wettbewerb die Initiative von Wirtschaft und Politik in Europa gefordert ist, war die Botschaft beim IHK-Europaforum in Mainz. Unter dem Titel „Zwischen Brexit und Binnenmarkt: welche Europapolitik braucht die Wirtschaft?“ diskutierten führende Unternehmensrepräsentanten und Experten aus EU-nahen Organisationen.
Die vier in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen IHKs sprechen für mehr als 250.000 Unternehmen mit 950.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 200 Milliarden Euro. Der Präsident der IHK für Rheinhessen, Dr. Engelbert J. Günster, machte deutlich:
„Weit mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erzielen die Unternehmen im Exportgeschäft mit Ländern in aller Welt. Doch der Löwenanteil davon wird im Handel mit EU-Partnern erwirtschaftet, und das erklärt das existenzielle Interesse der rheinland-pfälzischen Wirtschaft an der Zukunft Europas.“
Günster appellierte eindringlich an die Unternehmerinnen und Unternehmer, bei der Europawahl ihre Stimme abzugeben und im persönlichen Umfeld für den Gang zur Wahlurne zu werben.
Dr.-Ing. Heinz Kaiser, Vorstandsmitglied des Technologiekonzerns SCHOTT, sagte in seiner Keynote:
„Die Zahl und Dringlichkeit der Aufgaben, vor denen die EU steht, nimmt eher zu als ab. Gerade im Bereich Wirtschaft und Soziales ist der Handlungsdruck für europäische Lösungen besonders groß. Die Vorschläge für eine Zukunft der EU reichen dabei von ‚kleinen Schritten‘ über ein ‚Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten‘  bis hin zu einer umfassenden Reform beziehungsweise Integration. Der Schlüssel zum Erfolg liegt meiner Ansicht darin, dass die EU als Idee wieder stark und der Nutzen in den Vordergrund gestellt werden muss.“
Repräsentanten rheinland-pfälzischer Unternehmen bewerteten den europäischen Markt als Standortvorteil. So sagte Jan von Herff, Senior Manager Trade & Industry Policy Communications & Government Relations der BASF Group: „BASF ist in Europa verwurzelt. Hier erzielen rund 65.000 Mitarbeiter an über 100 Standorten 45 Prozent unseres weltweiten Umsatzes. Fundament dafür ist der gemeinsame Binnenmarkt.“ Er forderte: „Der Binnenmarkt muss kontinuierlich weiterentwickelt und eine Fragmentierung durch nationale Alleingänge vermieden werden. Nur mit einem starken Binnenmarkt, der Innovation fördert, kann Europa weiterhin eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen.“
Alexander Weil, Geschäftsführer des rheinhessischen Maschinenbauunternehmens evobeam GmbH,  schilderte: „Für uns als Mittelständler ist die Stabilität eines Europäischen Binnenmarktes mit einer einheitlichen Währung und offenen Grenzen ebenso wichtig wie die Rechtssicherheit und Vereinfachungen, die uns die EU-Handelsabkommen im internationalen Markt bieten; diese Faktoren sind wesentliche Voraussetzungen für unser Wachstum.“
Mit Vorteilen für Bürger und Unternehmen warb Jochen Poettgen, Leiter der Regionalvertretung der Europäische Kommission: „Die auf britischer Seite unklare Haltung zum Brexit überschattet leider die großen wirtschaftlichen und sozialen Erfolge der Europäischen Union seit dem Amtsantritt von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: Allen EU-Ländern geht es heute besser als in 2014, die Zahl der Beschäftigten ist auf Rekordniveau, und die dramatische Jugendarbeitslosigkeit ist um mehr als zehn Prozent gesunken. In der EU profitieren die Bürger - anders als in vielen Regionen der Welt - von freier Presse, von Meinungsfreiheit und von Bürgerrechten, von hohem Verbraucherschutz, von einem transparenten Binnenmarkt und von uneingeschränkter Mobilität für Studenten, Arbeiter und Angestellte. Auch die EU-Außengrenzen sind wesentlich besser geschützt als vor fünf Jahren, weshalb die illegale Zuwanderung deutlich zurückgegangen ist.“
Ergebnisse aus dem jüngsten Unternehmensbarometer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zitierte Christopher Gosau von der DIHK-Vertretung in Brüssel: „In einer aktuellen DIHK-Umfrage sagen 67 Prozent der Unternehmen „Die EU ist besser als ihr Ruf“, nur zehn Prozent sind dezidiert anderer Meinung. Das verdeutlicht, dass die Unternehmen die ökonomischen Vorteile und Erleichterungen, welche die EU auch zu Gunsten der Wirtschaft generiert, allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz sehr zu schätzen wissen. Der Binnenmarkt, die gemeinsame Währung und die gemeinsame Handelspolitik liefern nach eigener Aussage konkreten Nutzen für große Mehrheiten unter den Betrieben. 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen den größten Integrationserfolg der EU in der Stabilität des politischen Systems und damit den für die Unternehmen relevanten Rahmenbedingungen. Gerade in einem schwieriger werdenden außenwirtschaftlichen Umfeld bildet die EU einen wichtigen Anker für Verlässlichkeit und Planbarkeit.“