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Die Weichen jetzt Richtung Afrika stellen!

"Afrika hat 1,2 Milliarden Einwohner, die Bevölkerung wird sich bis 2050 verdoppeln", betonte Treier gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten". "Viele afrikanische Länder verzeichnen derzeit erfreulicherweise hohe Wachstumsraten und entwickeln sich insgesamt auch politisch positiv." Der DIHK-Außenwirtschaftschef zeigte sich überzeugt, dass der afrikanische Kontinent "in der künftigen Entwicklung der Weltwirtschaft eine tragende Rolle spielen" werde. Er verfüge über große, unerschlossene Energie- und Rohstoffreserven und ein herausragendes agrarisches Potenzial.
Trotz insgesamt positiver Tendenz habe der deutsch-afrikanische Handel jedoch 2017 rund 46 Milliarden Euro ausgemacht, berichtete Treier; das seien nur zwei Prozent des deutschen Außenhandels gewesen und habe dem Warenaustausch mit Ungarn entsprochen.
Sein Appell: "Afrika sollte deshalb bereits heute stärker auf die Handelsagenda Deutschlands rücken. Einzelne afrikanische Märkte bieten sich aktuell sogar als Investitionsstandorte an. Daher ist es wichtig, die Weichen jetzt Richtung Afrika zu stellen."
Als Gründe für die relative Zurückhaltung deutscher Unternehmen gegenüber afrikanischen Märkten nannte Treier die teilweise schwierigen Rahmenbedingungen vor Ort. "Ich warne aber davor, alle 54 afrikanischen Länder über einen Kamm zu scheren. Regierungsführung, Infrastruktur und Bildungssysteme sind qualitativ sehr unterschiedlich." Als ein generelles Problem führte er "die Finanzierung der oft langen Vorlauffristen von Geschäften gerade für Mittelständler" an.
Die Bundesregierung habe die strategische Bedeutung des Themas erkannt und mit der Initiative "Compact with Africa" ein wichtiges Signal gesetzt, lobte der DIHK-Außenwirtschaftschef. Nun müssten den Reformbekundungen der afrikanischen Staaten Taten folgen. Und: "Zum anderen sollte die Bundeskanzlerin darauf drängen, dass die Ressorts der Bundesregierung gemeinsam abgestimmte und nachfrageorientierte Unterstützungsmaßnahmen für den deutschen Mittelstand, insbesondere zur Risikoabsicherung und Finanzierung, pragmatisch und schnell umsetzen."
Noch heute werde Afrika zumeist aus den Blickwinkeln von Unterentwicklung und Migration betrachtet, bedauerte Treier. Dabei stehe der Kontinent heute auch für Kreativität und Gründergeist: "Start-ups in afrikanischen Ländern wie Kenia, Nigeria und Ghana ermöglichen durch digitale Technologien Entwicklungssprünge, von denen in Zeiten des digitalen Wandels auch die alternden Gesellschaften Europas und damit die deutsche Wirtschaft profitieren können."
Deutsche Unternehmen hätten als Technologiepartner hervorragende Chancen, etwa in der Landwirtschaft und der Rohstoffgewinnung beziehungsweise zunehmend in der -weiterverarbeitung. Die Bevölkerungsentwicklung und die steigende Verstädterung erforderten zudem einen Ausbau der Infrastruktur, und die wachsende afrikanische Mittelschicht entfalte eine große Nachfrage nach global bekannten Marken.
"Der DIHK hat daher gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium die Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in Afrika südlich der Sahara deutlich ausgebaut", sagte Treier. "Das Netzwerk der Auslandshandelskammern (AHKs) ist in den letzten zehn Jahren deutlich gewachsen und steht aktuell der deutschen Wirtschaft dort an 15 Standorten in 12 Ländern mit kompetenter Beratung zur Verfügung."
Quelle: Deutscher Industrie- und Handelskammertag