Bildung 4.0@RLP - Digital macht Schule

DigitalPakt Schule: Große Chance mit Stolpersteinen


Zur Sicherung des Fachkräftepotenzials im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung ist die Weiterentwicklung der allgemeinen und berufsschulischen Bildung dringend erforderlich. In diesem Zusammenhang gilt es, die Berufsschulen als dualen Partner und ebenso die allgemeinbildenden Schulen zukunftsorientiert aufzustellen. Der DigitalPakt bietet dafür finanzkräftiges Förderpotenzial – für Rheinland-Pfalz bedeutet er eine Bundesförderung von etwa 242 Millionen Euro. 90 Prozent der Mittel können von Schulträgern beantragt werden, um ihre Schulen digital aufzustellen. Allein: Die Entwicklung der Förderrichtline, über die das Land Projekte bewilligen kann, zieht sich. Ob dieses Jahr überhaupt noch Gelder ausgeschüttet werden können, ist fraglich. Die IHKs in Rheinland-Pfalz wirken darauf hin, dass die digitale Bildung im Land möglichst nachhaltig gestaltet wird.

Wo hakt’s?

Leider sind zwei wichtige Bereiche nicht über den DigitalPakt abgedeckt:
  • die dringend benötigte Qualifizierung von Lehrpersonal zur Vermittlung digitaler Kompetenzen und
  • die Ausstattung der Schulen mit Personal für den nachhaltigen IT-Support. Hier muss das Land selbst mit eigenen Mitteln tätig werden und tragfähige Konzepte vorlegen.
Die im aktuellen Doppelhaushalt eingestellten 35 Millionen Euro werden dafür kaum ausreichen. Kritisch ist auch: Die Versorgung der Schulen soll von der angenommenen Qualität der Konzepte abhängig sein – ungeachtet der tatsächlichen objektiven Bedürfnisse. Es besteht dabei die mittelfristige Gefahr, dass Leuchtturmprojekte für Inselexzellenz sorgen - benötigt wird jedoch eine flächendeckende Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit digitalem Know-how. Digitalisierung in der Bildung muss selbstverständlich in ganz Rheinland-Pfalz verfügbar sein.


Digitale Bildung – Fördermittel des Bundes für die nächsten 5 Jahre

Digitale Bildung
Digitalisierung und Bildung 4.0 sind zudem keine einmaligen Kostenfaktoren, sondern ein fortlaufender Prozess, der stetiger Anpassung an aktuelle Entwicklungen bedarf. Deshalb ist die Förderung des Bundes im Rahmen des DigitalPakts Schule als Anschubfinanzierung zu sehen.
Die Strukturen müssen jetzt schon so angelegt werden, dass sie auch darüber hinaus unterhalten und weiterentwickelt werden können. Dazu gehört beispielsweise auch die grundlegende Anpassung von Lehrplänen und -konzepten an digitale Inhalte – und zwar fächerübergreifend.

Bedürfnisse der Berufsbildenden Schulen berücksichtigen

Die besonderen und dringlichen Bedürfnisse der Berufsbildenden Schulen im Land werden bisher – auch in der rheinland-pfälzischen Auslegung des DigitialPakts Schule – nicht ausreichend berücksichtigt. Kleine und mittelständische Betriebe, die dualen Ausbildungspartner, unterstützen seit langem die schulischen Bemühungen, den Anforderungen einer modernen Ausbildung gerecht zu werden. So finanzieren Unternehmen in Berufsschulen beispielsweise die Anschaffung von 3D-Druckern, verschiedenen Lernsoftwares und Laptops. Ohne diesen externen Support wäre ein Unterricht nach heutigen Erfordernissen nicht mehr durchführbar. Die Infrastruktur der Berufsbildenden Schulen ist längst an ihre Grenze gelangt, eine Finanzierung durch die Privatwirtschaft kann nicht die Lösung sein.
Und schlussendlich: Der Digitalpakt beziehungsweise die Digitalisierung der Schulen darf nicht isoliert betrachtet werden. Er muss sich einfügen in die Gesamtstrategie des Landes zur Digitalisierung – leistungsfähige digitale Infrastruktur an Schulen funktioniert nicht ohne einen flächendeckenden Breitbandausbau.

Was die Politik tun kann

  1. Ausstattung der Berufsbildenden Schulen in den Fokus rücken - Berufsschulen müssen ihrer Funktion als dualer Partner im Ausbildungssystem auch in der Zukunft gerecht werden. Grundlage dafür sind unter anderem moderne Technik, eine leistungsfähige stabile Internetverbindung und der Zugriff auf digitale und softwarebasierte Lernmaterialien
  2. Lehrkonzepte überarbeiten und an die neuen Anforderungen der Berufe und der Arbeitswelt anpassen - betriebliche Anforderungen und Realitäten sollten dabei so weit wie möglich berücksichtigt werden
  3. Lehrerqualifizierung und personelle Ausstattung der Schulen verbessern - Lehrerinnen und Lehrer müssen fächerübergreifend befähigt sein, digitale Kompetenzen im Unterricht zu vermitteln
  4. Berufsschulen zu digitalen Lernorten machen - die Lernumgebung in der beruflichen Bildung muss dem technischen und digitalen Fortschritt Rechnung tragen